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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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auf unserem Bilde. Wie sichtbar, ist die Stadt selbst amphitheatralisch hart am Bergabhange in die Höhe gebaut, überragt von der alten Burg Kestell, mit ihren krenellirten Mauern und Thürmen.
Zahlreiche aus den Schluchten des Olymps hervorbrechende Bäche durchschneiden die Stadt und die Ebene, um sich in den Nilufar zu ergießen, einen wilden Alpenstrom, der den Fuß des Gebirges badet und ein herrliches Thal, dann die Ebene durchströmt. Oberhalb, im Bereiche des alten Kestell, liegt ein großes, von lebendigen Quellen gespeistes Wasserbassin, das durch unterirdische Leitungen zahlreiche öffentliche Brunnen in der Stadt versorgt. Im Mittelalter genügte jene alte Befestigung, Brussa zu einer schwer einzunehmenden Stadt zu machen, während selbst die neuere Citadelle jetzt gegen einige auf den nächsten Berghöhen errichtete Batterien keinen Tag zu halten wäre. Auch scheinen die Türken so wenig an die Nothwendigkeit einer Vertheidigung mehr zu denken, daß sie die Geschütze in den Werken verrosten und die Garnison verkommen lassen. Die Neuzeit hatte, außer ein Paar Brücken, Mühlen und Fabrikanlagen, wenig stattliche Bauwerke aufzuweisen. Der Palast des Pascha bedeckt mit seinen Gärten, Dienstgebäuden, Salanolik, Harem und dazwischen liegenden Höfen einen weiten Raum, zeigt aber in seinen hohen weiß getünchten Kasernenwänden keine Spur von Styl. Ehrwürdige Bauten sind die feuerfesten und altersgrauen Chane (Karawanserais), ein oder zwei Stock hohe, im Quadrat angelegte Fremdenherbergen von dickem fensterlosem Mauerwerk, in dessen nur durch eine Thüre mit der Straße in Verbindung stehenden Höfen zwei-, vier- und mehrfüßige Geschöpfe in Eintracht beisammen lagern. Auch die meisten Wohnhäuser waren, zum auffallenden Unterschied voll anderen orientalischen Städten, sehr massiv aus Stein gebaut. Die Zierde und der Stolz Brussa’s aber bleiben seine Werke muhamedanischen Glaubenseifers, die zu den edelsten Erscheinungen in der Geschichte der Architektur und denselben Jahrhunderten angehören, in denen auch die kirchliche Baukunst des Abendlandes ihre Triumphe feierte, – seine Moscheen und Sultans-Gräber.
Brussa ist par excellence die Moscheen-Stadt, denn es hat deren so viel als Tage in der Woche, kleinere Gotteshäuser aber nicht weniger als Tage im Jahr, wie die türkischen Schriftsteller aufzählen, daher die Minarets so zahlreich sind, wie in einer belgischen Fabrikstadt die Feueressen. Als die älteste Moschee ehrte man die des Bajasid, die in einem halbverfallenen Stadttheil gelegen, noch von roher ungeschlachter Bauart ist; eine seltsame Aufhäufung der verschiedensten Bogenkonstruktionen und geschmackloser Ornamente, die sich da nebeneinander vertragen müssen. Das einfache Grabmal würde keiner Erwähnung werth seyn, wenn es nicht die Asche jenes wilden Padischa enthielte, der durch Brudermord zum Throne gelangte und zu viel Stolz besaß, um nach dem Unglückstag von Angora von seines Siegers Gnade zu leben. In Pisidien tödtete ihn ein Schlag. Die Seinen nannten ihn Jildirim den „Blitz“, weil er wie ein Wetter bald an die Donau fuhr, Serbien zu knechten oder eine Königstochter nach seinem Harem zu entführen, bald die Akropolis des Kekrops bestürmte, bald nach Morea, bald nach Armenien an der Spitze seiner Janitscharen einen Raubzug that. Der todte Bajasid kehrte, was dem lebenden nicht mehr vergönnt war,
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 198. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/203&oldid=- (Version vom 15.10.2025)