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zufällig hinein verirrte, indem er ein Wild verfolgte. Später, 1812, im Krieg mit England, diente sie Freischaaren zum Versteck und als geheimes Magazin und Fabrik von Salpeter und sonstigem Kriegsmaterial. Erst seit 1840 ist sie in ihrer ganzen Ausdehnung bekannt geworden. Ihr spekulativer Eigenthümer hat sie leicht zugänglich gemacht, sie als ein Wunder der Welt ausposaunt, und jetzt wird sie jährlich von vielen tausend Reisenden besucht. Für den Besitzer ward sie eine Quelle des Reichthums.

Der einzige Eingang zur Höhle liegt 95 Meilen von Louisville auf dem Wege nach Nashville. Einem gewöhnlichen Kellergewölbe ähnlich, läßt er nichts von der Herrlichkeit des unterirdischen Baues ahnen, in welchen er einführt. Unheimlich wird es dem Besucher in den niedrigen Vorhallen, die Tausenden von Fledermäusen als Zufluchtsort dienen und massenhaft an den Felswänden hängen; vom Fackelschein aufgeschreckt, schwirren sie unwirsch dem Eindringling um den Kopf. Die feuchte dumpfe Luft macht überdies das Athemholen schwer. Eine halbe Meile winden sich diese niedrigen Räume fort, bis sie sich zu Stalaktitenhöhlen erweitern, deren größte den Namen Gorins-Dom führt. In der Kuppel desselben, hoch über dem Blick der Eintretenden, öffnet sich eine große Felsspalte, durch die ein zitterndes Tageslicht sich in den ungeheueren Raum ergießt und aus der Tiefe gespenstige Schatten von Säulen-Reihen, Knäufen und Arabesken hervorzaubert. Verbindet sich der fahle Schimmer von außen mit dem gelbrothen Licht der Theerpfannen, welche die Führer anzünden, so entsteht ein Kampf von Lichtreflexen um die tausendgestaltigen und zackigen Ornamente, und die Wirkung wird wahrhaft magisch, wenn mit der erlöschenden Flamme die wunderbare Erscheinung langsam wieder verschwindet. Von diesem Dome, der 600 Fuß lang ist, gelangt man in eine noch größere und umfangreichere Halle, in die Star-Chamber (Sternenkammer), an deren 90 bis 100 Fuß hohen Decke sich einzelne schwarze Felsstücke abgelöst haben und eine blendend weiße Felsschicht durchschimmern lassen, welche bei geschickter Beleuchtung ganz den Effekt des Sternengeflimmers am nächtlichen Himmel hervorbringt. Die Täuschung ist vollkommen und es fällt dem Auge schwer, sich etwas Anderes vorzustellen. Jede neue frappante Partie führt einen bezeichnenden Namen, wie die Bacon-Chamber (Räucher-Kammer), Gothic Chapel (gothische Kapelle) etc., für welche der Beschauer mit ein wenig Phantasie die bildliche Erklärung leicht heraus zu finden vermag. Tief im Grunde der Höhle schleicht ein Fluß, der „Lethe“, muthmaßlich ein unterirdischer Arm des in der Nähe fließenden Green River. Er ist breit und tief genug, um große Ruderboote zu tragen. Die Fahrt auf demselben dauert eine halbe Stunde. Während dem senkt sich die Decke der Höhle an mehreren Stellen so tief herab, daß sie bei steigendem Wasser dessen Niveau berührt, der Fluß dann aus seinen Ufern tritt, und die tiefer gelegenen Stellen der Höhle in kleine Seen verwandelt.

Jenseits des stygischen Stroms thut sich eine lange mit den prachtvollsten Gypskrystallen ausgelegte Gallerie auf, die schönste der ganzen Höhle. Eine fast bis zur Höhlendecke reichende Aufschichtung von Kalkfelsen