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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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Säulenhalle und seinen zierlichen Nebengebäuden; auf der andern breitet sich ein grüner Rasenteppig aus, rings von einer Allee schattiger Bäume umgeben. Dahinter, amphitheatralisch erhaben, ist die Stadt Baden mit ihren schimmernden Häusern , Balkonen und flachen Dächern, die ihr einen italienischen Charakter verleihen; hoch oben darüber glänzen die sorgfältig angebauten Höhen des Schwarzwaldes, in deren Baumwipfel die Winde wie Choräle rauschen. Ganz oben, einen würdigen Schluß bildend, ruht das malerische Gemäuer der alten Schloßruine; mit ihm in gleicher Höhe sich über alle Berge hinziehend ein hoher Kamm kahler Felsen, deren todtes Silbergrau schön von dem dunkeln frischen Waldesgrün absticht. – Jetzt hat die scheidende Sonne über dies bunte Gemälde ihre purpurne Gluth ausgegossen, alle Farben erscheinen zuletzt noch in hellerem Glanze, die Fenster des Städtchens speien Flammen und, gleich Rubinen, funkeln sie in der silbernen Einfassung der weißen Gemäuer. Noch so ein letzter hellstrahlender Blick, und die Schatten der Nacht sinken allmählig herein, und verbreiten über Alles leise ihren dunkeln Fittich. Da blitzen wie mit einem Zauberschlage unten auf der Promenade die Gasgirandolen mit ihren weißen, durchdringenden Strahlen auf, und helle Streiflichter fallen auf die immer noch wogende Menschenmenge. Ihr trügerischer Schein ist Vielen günstiger als das klare Licht der Sonne, er schmeichelt dem falschen Glanze, den dieses unbarmherzig enthüllt. Lebendiger glänzen die Wangen der Frauen, unsichtbar sind die Falten und Runzeln und die matten Kreise der Augen, die des Lebens Eile und überschwenglicher Genuß zu frühe gezeichnet; feuriger scheinen die Blicke, deren innere Leere sich jetzt weniger bemerklich macht. Immer lebendiger wird das Gesumme, immer kühner werden die Worte der selten vergeblich schmachtenden Seladons, immer gewährender die Blicke der Frauen; was die Helle des Tages noch zurück drängte, um nothdürftig den äußeren Schein zu retten, offener und rücksichtsloser wird es in der Dunkelheit der Nacht. Dazwischen das Geplauder der Gruppen, die weiter unten an der galerie des fumeurs um einzelne Tische sitzen und, behaglich Sorbet oder farbiges Eis schlürfend, sich die Spaziergänger betrachten. Auch in den Sälen des Konversationshauses, die mit vielem äußeren Glanze, ganz darauf berechnet, die Augen der großen Menge zu blenden, ausgestattet sind, drängt sich die Menge. Welche Fundgrube für einen Genremaler, der die verschiedenen Scenen, die hier unaufhörlich den Blicken des Beobachters sich darbieten, wiedergeben wollte! Interessant müßten solche Bilder seyn, schön aber selten, denn ein wohlthuender Anblick ist’s nicht, den diese Scenen gewähren. Wie verschieden malen sich die Leidenschaften in ihren wechselnden Steigerungen in den Gesichtern dieser Gesellschaft! Welche unvergängliche Linien werden hier oft dem Antlitz für immer eingegraben! Alt und Jung, Vornehm und Gering stehen dicht um die grünen Tische geschaart; Stand und Rang sind hier ganz verschwunden; die Sucht nach Gewinn macht Alle gleich, und mit immer gleicher Miene harkt der Croupier die Geldrolle des Fürsten und den letzten Kronenthaler des armen Handwerkers zusammen, der schwach genug war, der lockenden Verführung nicht zu widerstehen. Kalt
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 17. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/22&oldid=- (Version vom 3.10.2025)