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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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Die Welt ist eine Welt von Kräften. Wie in der physischen, so in der geistigen. Der Starke herrscht überall; er fürchtet nur den Stärkern. Was der gewaltige Geist in der ehernen Brust beschließt, ist für die Menge Gesetz. Was hilft es dir, bist du in den Händen der Mörder und Räuber, die Heiligen zu rufen? Schleudert darum Gott seine Blitze auf sie herab, wenn du ihn anflehst? Stehst du aber fest auf deiner innern Welt, so vermag die äußere nichts über dich. Droht dir unverdiente Schande, Armuth, Elend; will die boshafte Arglist oder ein feindselig Verhängniß dich in Ketten schlagen, verfolgt dich die gereizte Tyrannei in Staat und Kirche: so zeige die ruhige Entschlossenheit deines Willens, und tröste dich, daß im äußersten Fall der Tod seinen Freibrief bietet. Gedenke Arago’s! Als der Tyrann, der unbeschränkt über 40 Millionen gebietet, ihm den Eid der Treue abforderte, sagte der Seher und Held: ich kann sterben und schwöre Dir nicht. Und der Uebermüthige, obschon berauscht von seinem Glück, getraute sich nicht ihm ein Haar zu krümmen. Auch der Stärkste ist doch nur ein Mensch, und dem Naturgesetz unterthan. Wer war mächtiger als Nikolaus, der Czar über hundert Völker, und was ward aus ihm, als ihn der Hauch des Allmächtigen berührte? Eine Handvoll Staub, – Staub wie der des geringsten seiner Sklaven. –
In der physischen Welt wird durch das Zusammenwirken verschiedener Kräfte das Größte geleistet. Wenn das ruhige Gewässer eines Flusses sich mit der Schwerkraft bewaffnet und über Felsen stürzt, wird es zur Macht, die Berge fortreist und Felber wegspült. Wer zäumte die Wogen des Meeres, die der Sturm aufbläst? Wer hat je den Golfstrom in’s Joch gespannt? Die Bändiger der Fälle des Nils, des Rheins, des Mississippi, des Missouri, des Niagara, sie sollen noch geboren werden. Doch werden sie nicht ausbleiben. Das junge Amerika erschrickt vor dem herkulischen Gedanken nicht zurück, die unermeßliche Kraft seiner riesigen Katarakte dienstbar zu machen, und es wird vielleicht nicht das größte Wunder einer wundervollen Zeit seyn, wenn in einem halben Jahrhundert selbst
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 227. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/232&oldid=- (Version vom 18.10.2025)