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unterhalb, in welchem Zwischenraum sie über 360 Fuß niedersteigen. Der Leser, welcher sie nicht gesehen hat, mag sie sich vorstellen als eine Reihe ungleich hoher Cascaden, bald sanft über ein ebnes Felsenbette rollend, bald sich einen jähen Abhang hinabstürzend, bald in Dunst wieder aufwirbelnd, bald sich ganz in den geheimnißvollen Kammern einer Felsengrotte verlierend, welche dichtes Gehölz dem Auge entzieht. Der beste, zugleich fast der einzige Zugang zu den Fällen ist, wenn man vom Hotel ausgeht, (wo den Reisenden das leckerste Forellengericht labt,) der Pfad, welcher zu der Wendeltreppe hinab nach dem Ufer des Bergstroms führt. Er leitet in einen wilden Abgrund von erschreckender Tiefe. Dort hat man den ersten Blick auf das tosende Gewässer, das seiner peinlichen Lage zu enteilen trachtet, um die schöne Partie weiter unten zu suchen. Der Leser findet auf dem einen unserer Bilder eine vortreffliche Ansicht des großen Falles, welcher breit und massig sich herabgießt und dann, gleichsam erschreckt von seinem eigenen verwegenen Sprung, sich rasch und geräuschlos in dem schönen Bassin zur Linken versteckt. Der Künstler hat die Anmuth dieses Naturschauspiels trefflich herausgefühlt und mit vollkommener Treue und Wahrheit wieder gegeben. Wenn man auf einem schmalen Steig längs der Felsenwand fortgeht, gelangt man an den Fuß eines hoch sich wölbenden Felsenbalkons, von dem, zur Rechten, sich der Fall in seiner ganzen Pracht zeigt. Seine senkrechte Höhe ist 109 Fuß! Von hervorstehenden Felsspitzen unterbrochen, theilt er sich in drei Arme. Der eine, der breiteste und schönste, glänzt wie Silber, der zweite kürzere, gleitet auf dunkler Wand hinab, und der dritte, nicht so brillant als der erste, aber noch gewaltiger, braust schäumend den Abgrund hinunter. Die Natur umher ist erhaben; doch nicht von der furchterregenden Wildheit, welche gewöhnlich die Umgebung solcher Naturbildungen charakterisirt; den terrassenähnlichen Bau des Felsens und die zarten sich darum schlingenden Pflanzen umschleiert der durchsichtige Wasserdunst, und er glättet zugleich die rauheren Partien. Man fühlt, als könnte man da ruhen, wie im Schooß der Geliebten und sein Leben ohne Sorge verträumen. Eine heitere, selige Empfindung überkommt den Geist, er fühlt sich heimisch in dieser Einsamkeit und nur lichte, liebliche Visionen, Visionen schönerer Bildungen und süßerer Töne, durchziehen die weiten Räume des Gedankens.

Der ungeduldige Führer rüttelt uns auf mit einer Schauer-Erzählung, daß vor einiger Zeit auf jener vorstehenden Felsplatte zwei junge Mädchen ihren Halt verloren, hinabstürzten, und ertranken. Wir mochten in einer so bezaubernden Natur nur angenehmen Erinnerungen begegnen und diese häßliche Unglücksgeschichte erschien uns wie die Schlange im Paradies. Stimmt doch die ganze Umgebung nur zur Harmonie und zu einem seligen Frieden! Am Niagara ist das anders. Da erheben die Unermeßlichkeit und das Ungestüm der reißenden Wasser die Seele zu einer übernatürlichen Aufregung, und, wenn wir sie betrachten, däucht es uns, als sähen wir zahllose Kriegerschaaren mit fliegenden Fahnen den Abgrund hinabwirbeln. Ja, wir möchten uns des Schrecklichen fast freuen, in überschwenglicher Sympathie mit der Macht und Allgewalt der Fluch. Aber hier, wo Alles so heimlich