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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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und lieblich ist, wo man hingehen möchte, um am Busen der Einsamkeit zu ruhen, fern vom Gewühl und der Hast des Weltlebens, – wie sich der erschöpfte Tänzer in der Laube des Gartens verbirgt müde des funkelnden Lichts und des geräuschvollen Ballsaales – hier die Vorstellung, daß Jugend, Schönheit und Unschuld in einem arglosen Augenblicke in den nassen Abgrund hinabgeschleudert wurden: – wie beklemmt sie das Herz, wie wehe that sie uns! Gegen unsern Willen wurden wir gezwungen, uns die Umstände eines so betrübenden Vorfalles erzählen zu lassen. Wir sahen die lieblichen Gestalten in mädchenhaftem Uebermuth von Fels zu Fels hüpfen; wir hörten ihre Ausbrüche des Entzückens über die fortwährend dem Auge begegnenden neuen Reize; wir sahen sie mit dem Ausdruck von Furcht und Bewunderung über dem Rande des Falles hängen, – als plötzlich ein entsetzlicher Schrei uns die Seele zerschnitt, und verschwunden in der Fluth waren sie für immer!
Außer den beschriebenen Füllen sind deren noch vier, jeder von eigenthümlichen Reizen. Die Mannigfaltigkeit der Trenton-Katarakte ist wirklich so groß als ihre Schönheit; jede Wendung des schwierigen Pfades eröffnet eine neue unerwartete Scene. Licht und Schatten verändern sie zu verschiedenen Stunden des Tages und verschiedenen Jahreszeiten. Der Naturforscher Sherman, welcher einen größern Theil seines Lebens an den Fällen verbrachte, schildert sie als besonders schön im Winter. Dann hängen von den überragenden Felswänden eisige Schleier herab, durch welche die schäumenden Wasser in allen Farben glitzern; die herabrieselnden Bäche bilden krystallene Tunnels; das umgebende Buschwerk ist vom gefrornen Wasserdunst beschlagen und brillirt in den Strahlen der Sonne. Ganz verschieden, aber noch erhabener und großartiger ist der Anblick bei Mondschein. Wenn die hellglänzende Sichel durch die dunklen Gebüsche und das Immergrün der Ufer ihr unterbrochenes Licht über die Pfade ergießt, glaubt man in eine unterirdische Welt sich verstiegen zu haben; dort liegen die Todtenkammern, dort schlüpfen die Geister durch die verschwindenden Schatten, dort verüben die Kobolte und Gnomen Unheil im Schooß der Erde. Aber bald steigt der Mond herauf und ergießt sein volles Licht über das Wasser. Der Wechsel ist magisch. Silberne Pforten thun sich auf, man glaubt sich in prächtigen Feenpalästen zu befinden. Doch – es ist kein Ende dieser Pracht zu finden und wir brechen ab.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 230. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/235&oldid=- (Version vom 18.10.2025)