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Rauheit der Atmosphäre den Menschen zum ewigen Ringen und Mühen für die tägliche Existenz zwingt, und weder der freie Gedanke, noch die Erkenntniß des Schönen so leicht von selbst aufkommen konnten wie in milderen Zonen des Erdgürtels. Warum unter dem heiteren Himmel von Hellas zuerst das Reich der Wissenschaften und der Künste in so edler Form blühen konnte, das erläutert uns ein Blick in die physischen Eigenthümlichkeiten und Schönheiten des Landes, ebenso wie der seltsame Umstand, daß ein vom Orient ausgegangenes glänzendes und heiteres Licht, nach dem minder beglückten nördlichen Himmel versetzt, so lange Zeit nur den trüben Dämmerschein des halbbarbarischen Mittelalters und seiner folgenden Jahrhunderte zurückwerfen konnte. Aber erklärt wird uns auch durch Einsicht in denselben Naturcharakter, warum die Bildung im Norden, zwar langsamer wachsend und minder schöne Blüthen treibend, doch zu einer mächtigeren und dauerhafteren Pflanze als im Süden werden konnte, dort, wo auch die nordische Eiche älter wird und mehr Material zum Bauen und Brennen liefert als die schöneren Myrten und Lorbeerbäume. Unter Völkern, welche durch Boden und Klima zur rastlosen Arbeit gezwungen waren, mußte die Natur eine mehr praktische als anmuthige Form gewinnen. Niobidengruppen und Iliasverse vermochte die germanische Kultur, selbst in Ländern, wo sie sich am freiesten entwickeln konnte, wie in England, nicht hervorzubringen, wohl aber Dampf- und Spinnmaschinen, Banken und Associationen, deren Wunder heute die Welt regieren und zwei Staatengebäude von einer Ausdehnung, Macht, Freiheit und Reichthum erschufen, wie sie von den blühendsten Staaten der anmuthigen Südvölker nie erreicht worden sind, und von denen das eine zugleich in seinen geographischen Verhältnissen die Gewähr einer Dauer hat, welche nicht bloß über Hellas kurze Blüthenzeit, sondern selbst über die Dauer eines Römerreiches weit hinaus gehen dürfte.

Daß die Gottheit den Völkern des Erdballs ihre verschiedenen historischen Rollen nach der Konfiguration, der Struktur und dem Klima ihrer Wohnplätze angewiesen hat, erscheint uns ebenso gewiß, als daß die Vorsehung den langsam-stätigen Fortschritt und die allmählige Nivellirung gesellschaftlicher Stufen will, und nur das „übereilte Streben“ dem Verderben preisgibt. Länder, welche mit reich entwickelten Meeresküsten oder vielfach gegliederten Binnenseen und schiffbaren Strömen, dazu noch mit Kohlen und Eisen gesegnet sind, richten auf Handel, Industrie und Beherrschung der Meere ihren natürlichen Instinkt, ihre besten geistigen Kräfte. Völker dagegen, welchen die Natur diese Mittel versagt hat, müssen in der Konkurrenz zurückbleiben oder unterliegen. Jene sind die Vertreter der großen friedlichen Zeitinteressen, während in Binnenländern mit unermeßlichen Steppen der rohe, vorherrschend kriegerische und zerstörungslustige Volkscharakter ebenso natürlich ist. Aehnliche Rollen, wie heute England und Nordamerika, spielten vor Zeiten die Küstenstaaten des Mittelmeeres: Tyrus, Karthago, Venedig, Genua. Auf das Element, das ihre Städte bespülte, basirten sie ihre Macht, ihre meisten Großthaten verrichteten