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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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der von beiden Gebirgssystemen herabströmenden Gewässer gebildeten Küstenstriche des nordamerikanischen Kontinents sind auf der Ostseite fast durchgehends, auf der Westseite theilweise flach oder von sehr geringer Erhebung und zeigen uns an den Mündungen des Hudson und des Sacramento die beiden schönsten und größten Häfen der Welt: New-York und St. Francisco. Unendlich wichtiger als die vergleichsweise schmalen Küsten an beiden Oceanen ist das Binnenland zwischen jenen beiden Gebirgen, dessen tiefste Thalsenkung der Mississippi, der „große Vater der Ströme“, einnimmt. Vor allen Binnenländern der Welt zeichnet sich diese Thalsenkung Nordamerika’s durch die Menge und Mannichfaltigkeit seiner herrlichen Wasserstraßen aus, die in den verschiedensten Richtungen ziehen. Dieser Segen allein schon gibt dem Lande, abgesehen von seinen übrigen unerschöpflichen Hülfsquellen, die Mittel einer schnelleren und großartigeren Kulturentwickelung, als sie in andern ausgedehnten Kontinenten, denen der Schöpfer diese Wohlthat viel sparsamer zugemessen hat, möglich ist. Die Hudsonsbai und der mexikanische Golf schneiden als zwei ausgedehnte Mittelmeere in Nord-Osten und Süden tief in das Land hinein, nehmen eine große Zahl von Flüssen auf, geben dem Binnenlande ausgedehnte Seeküsten und vermitteln den Verkehr des Innern mit dem Ocean. Eine fortlaufende Reihe von Süßwasserseen durchschneidet das große Becken von Nord-West nach Süd-Ost in einer Länge von beinahe 5000 englischen Meilen. Diese Seen zeigen in ihrer langen Reihenfolge vom großen Bärensee, an dessen eisbedeckten Ufern die Eskimos streifen, bis zu den Becken des Ontariosees, der den Niagara aufnimmt, ein bestimmtes Verbindungssystem, während die zahllosen kleineren Seen zwischen Minnesota und der Hudsonsbai regellos zerstreut sind. Vom Obern See bis zum Eriesee erreichen diese Süßwasserbecken eine so ungeheure Ausdehnung, daß man sie Binnenmeere, mit demselben Recht wie den Caspisee, nennen kann. Ihre Süßwassermassen kommen, nach angestellter Berechnung der Masse des gesammten übrigen Süßwassers, allen Seen und Flüssen der Erde gleich. Ihr Flächeninhalt beträgt 43,040,000 Quadrat-Acres. Ihre mittlere Tiefe ist 6–700 Fuß. Ein charakteristisches Merkmal dieser Landseen, das für die Nationalökonomie Nordamerika’s von hoher Wichtigkeit ist, ist die Verbindung der meisten Seen durch natürliche Wasserstraßen. Da, wo die Kommunikation noch auf Hindernisse stößt, sind bei den geringen Niveau-Differenzen des dazwischenliegenden Landes künstliche Kanäle ohne großen Aufwand von Zeit und Kosten herzustellen. Eine zweite Eigenthümlichkeit des nordamerikanischen Kontinents und in seinem nationalökonomischen Einfluß noch bedeutender als jene beiden Mittelmeere und die lange Reihe von Süßwasserbecken, ist die Zahl, die Mannichfaltigkeit, die glückliche Vertheilung und die geringe Meereshöhe der wasserscheidenden Landhöhen, jener „Hydrographischen Axen“, wie sie die nordamerikanischen Geographen, oder Schwellen, wie sie Humboldt nennt. Diese Erhebungsaxen sind die Wiegen einer unendlichen Zahl wasserreicher Ströme, deren Bett in der Regel schon in geringer Entfernung von den Quellen so breit und tief wird und so geringes Gefäll hat, daß Dampfboote aller Größen
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 235. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/240&oldid=- (Version vom 18.10.2025)