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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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und hypsometrischen Verhältnisse nicht beachtet, dem wird der gigantische Plan einer Eisenbahn, welche ganz Amerika in der Breite durchschneiden, über die Rocky Mountains und die Seealpen nach Kalifornien und Oregon führen und beide Oceane verbinden soll, chimärisch erscheinen, während derselbe in der That auf geringere Schwierigkeiten stößt, als das Eisenbahnnetz in Süddeutschland. Die Niveauverhältnisse sind dergleichen riesenhaften Kommunikationsprojekten überaus günstig. Ebenso wie die Niveauverhältnisse in dem geognostischen Bau Nordamerika’s den national-ökonomischen Fortschritt mächtig unterstützen, kommt auch die petrographische und orographische Beschaffenheit desselben dem raschen Wachsthum der ungeheuern Republik zu Hülfe. Die älteren Flötze bieten Steinkohlenlager und gute Bausteine, während unendlicher Metallreichthum die Durchbrüche des Trappgesteins begleitet und die Bildungen des Alluviums, welche zum Theil noch unter unsern Augen fortdauern, dem Boden jene erstaunliche Fruchtbarkeit verleihen, jene auf Jahrhunderte nachhaltende Ueppigkeit, die wir im fetten Bottomland des Mississippithales bewundern. Nicht übertrieben nennt ein berühmter Franzose dieses herrliche Thal von 3000 engl. Meilen Länge, dessen üppiger Boden mit allen Produkten des Nordens auch die Baumwolle und das Zuckerrohr hervorbringt: „La plus magnifique demeure que Dien ait jamais préprarée pour l’habitation de l’homme“.
Nach Deake’s Angabe enthält das innere Thal von Nordamerika, ungerechnet das schöne Littorale der Neuenglandsstaaten, Oregon und Kalifornien, eine Bodenfläche von etwa 6 Millionen engl. Quadratmeilen. Das zum Anbau vorzüglich geeignete Land mißt 3 Millionen engl. Quadratmeilen und besteht größtentheils aus den Anschwemmungen der Flüsse, eben jenem fruchtbaren Bottomland. Davon ist jetzt erst ein Dritttheil von den Weißen dünn bevölkert; die übrigen zwei Dritttheile sind noch unbewohnt oder dienen umherschweifenden Indianerhorden als Jagdreviere. Es ergiebt sich, daß dasselbe 25 Mal größer ist als Großbritannien, 14 Mal größer als Frankreich, 11 Mal größer als der Kaiserstaat Oesterreich, und wenn wir für die jetzige Gesammtbevölkerung des Staates Massachusets, deren Dichtigkeit noch lange nicht den dünnbevölkerten Staaten des mittlern Deutschlands gleichkommt, als Maßstab annehmen, so haben auf diesem Land 360 Millionen Menschen Raum, sich gut zu nähren und zu bewegen, ohne die schmalen Küstenländer beider Oceane und die Weidereichen Thäler und Plateaux zwischen den Ketten in den Rocky Mountains und den kalifornischen Seealpen mit in Anschlag zu bringen.
Es lassen sich aus diesen staunenswerthen Naturverhältnissen, die hier in ihren wesentlichen Umrissen dargestellt sind, folgende Hauptschlüsse auf die Staatenentwickelung und den künftigen Gang der Geschichte Nordamerika’s mit einer, wenn nicht mathematischen Gewißheit, doch mit einer Wahrscheinlichkeit ziehen, welche nichts mit den vagen Hypothesen und Spekulationen von Natur- und Geschichtsphilosophen gemein hat, sondern auf
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 237. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/242&oldid=- (Version vom 19.10.2025)