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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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materielle Thatsachen und physische Gesetze sich stützt, vor denen auch gewisse Thatsachen des Augenblicks, und vorübergehende Zustände, die unserm Urtheil zu widersprechen scheinen, jede Wichtigkeit verlieren.
- 1) In Nordamerika sind alle natürlichen Bedingungen zu einem Staatengebäude von einer Größe, Macht und Blüthe vorhanden wie die Geschichte der alten Welt nichts Gleiches bietet. Weder in den Reichen des Sesostris und des Alexander, noch im Reich der Römer, noch in irgend einem Staat der Gegenwart hat Nordamerika seines Gleichen. Die Hand des Schöpfers hat über dieses gebenedeite Land nicht allein durch Fruchtbarkeit und Ausdehnung des Bodens, durch glückliche Vertheilung der natürlichen Verkehrsmittel, sondern auch durch die reiche Gliederung jener Flußrinnsale, welche Humboldt „das belebende, menschenverbindende, zukunftschwangere Element“ nennt, und durch die freigebigste Verleihung der zwei nützlichsten Mineralien, der Kohle und des Eisens, reicheren Segen ausgestreut als über irgend einen andern Theil des Erdrundes.
- 2) Nordamerika ist von der Natur zu einem dauernden politischen Zusammenhang bestimmt. Die äußere Konfiguration wie die Struktur des innern Landes deuten die Erfolglosigkeit jedes ernsten Versuchs zur bleibenden Trennung an. Der Süden mag sich, wenn die einseitige Sorge für seine Partikular-Interessen seine Anhänglichkeit an das Ganze überwiegt, periodisch vom Norden, der Westen vom Osten ablösen, ja als getrennter Staat seine eigenen Interessen verfolgen und im gegenseitigen Wetteifer groß und stark werden; aber bei dem Mangel natürlicher innerer Grenzen und Absonderungsmittel in einem Lande, welches zum Wechselverkehr von der Natur gezwungen ist, kann eine solche Trennung nie von langer Dauer seyn. Aus der Konkurrenz und der Rivalität unabhängiger Staaten müssen Kollisionen entstehen, und der stärkere Staat wird allemal den schwächeren zwingen, als Trabant in seiner Planetenbahn zu wandeln. Die ganze physische Gestaltung des großen inneren Thalbeckens bei einer so merkwürdigen Einförmigkeit deutet auch entschieden die naturnothwendige künftige Einheit nicht nur in der Politik, sondern auch in Sprache und Sitte an. Daher die rasche Umwandlung und Verschmelzung oder das Verschwinden fremder Nationalitäten. Durch die Resultate irre geführt, haben manche Schriftsteller die anglo-amerikanische Assimilationskraft überschätzt. Wenn dieser in Amerika der unvermeidliche Sieg und den übrigen Nationalitäten der unvermeidliche Untergang bestimmt ist, so erklärt dies die Natur des Bodens hinreichend. Es war der Wille des Weltschöpfers, was, als er die plastischen Umrisse des neuen Kontinents im Gegensatz zur Struktur der östlichen Erdhälfte formte, nur einer Raçe, der kräftigsten unter den übrigen, den Sieg verhieß, und nur einer Nationalität die Berechtigung zur dauernden Existenz vergönnt hat.
Empfohlene Zitierweise:
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 238. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/243&oldid=- (Version vom 19.10.2025)
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 238. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/243&oldid=- (Version vom 19.10.2025)