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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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- welch’ eine Rolle für Nordamerika als Weltstaat und dem Volke als Weltherrn vorbehalten scheint, dessen Reich im Norden durch Meeresküsten, Binnenseen, natürliche und künstliche Wasserstraßen die Verkehrsmittel Europa’s jetzt schon um das Fünf- bis Sechsfache übertrifft, und dessen riesenhafte Hülfsquellen mit jedem Tage wachsen. Als eine Nation von einigen Hundert Millionen wird sie – wer könnte es ihr wehren? – der ganzen Erde Gesetze diktiren.
Die Landschaft am oberen Mississippi zwischen dem Lake Pepin und der Mündung des St. Croix ist, wenn auch weniger imposant und großartig, als die der weiter aufwärts gelegenen Gegenden, doch nicht weniger lieblich und malerisch. Das Ange ruht nicht an den hohen zerklüfteten Felsmauern, welche die Ufer einrahmen, sondern wird durch die reiche Schönheit des Waldlandes und die Anmuth vieler Inseln erfreut. Vom Ausfluß des Lake Pepin an, wo das Fahrzeug sich dieser großen Wasserfläche entwindet, beginnt die Reihe der Eilande. Das erste, lang und schmal, von weinberankten Eichen beschattet, streckt sich viele Meilen weit aus, andere weniger große folgen, manche sind mit Immergrün bezogene Felsen, die meisten aber üppig bewachsene Anschwemmungen, groß genug für eine oder ein Paar stattliche Farmen. Nahe dem obern Ende der „Zwölf-Meilen-Insel“ auf dem westlichen Ufer ist der uralte Wohnplatz einer Sioux-Horde, lange Jahre bekannt als Redwing-Village, herstammend von einem Heros der mythischen Zeit, „Doolat“ oder „Rothflügel“, einem durch seine Kriegsthaten berühmten Häuptling. Auf diesem Flecke haben sich allezeit und bis auf den heutigen Tag die Rothhäute vorzugsweise aufgehalten, und die kegelförmigen Thierfell-Zelte, welche sich zwischen den Blättern und Zweigen erheben und ihre Rauchwolken emporwirbeln, erhöhen durch ihren Kontrast mit den umliegenden Ansiedelungen des weißen Mannes das Malerische dieser schönen Wildniß. Unfern jener Stelle, an welche sich die kümmerlichen Reste der Ureinwohner festklammern wie einst die letzten Kelten an den Altären ihrer Götter, sieht man, dem Gestade entlang, eine Reihe Berge von auffallender, regelmäßiger Tafelform, – die Gruppe, welche unser Bild darstellt. Sie führen den bezeichnenden Namen „Tafeln des großen Geistes“. Aus dichter Waldung, die ihren Fuß bedeckt, erheben sie sich ziemlich steil und zirkelrund einige hundert Fuß hoch, und steigen dann plötzlich als lothrechte Kalksteinwände nackt empor. Diese Felsmauern bilden gleichsam die Ränder von Riesentischen, auf deren kreisrunder Fläche sich eine grüne ebene Matte, da und dort mit Buschwerk bewachsen, ausbreitet. Der Anblick der majestätischen Tafelberge macht einen tiefen Eindruck, und es ist nicht zu verwundern, daß sie die einfachen Naturmenschen als Lieblingsaufenthalt der Gottheit betrachteten. Die Indianer-Legende hat Altäre des allgewaltigen und allschaffenden Gottes daraus gemacht, und sie erzählt, daß der große Geist hier seinen Fuß niedersetze, wenn er, vom Himmel
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 240. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/245&oldid=- (Version vom 19.10.2025)