Seite:Meyers Universum 16. Band 1854.djvu/261

Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

gegen DEN, welcher in der Republik des Weltalls der Freiheit ewige Gesetze geschrieben hat? – Wahrlich, ich sage Euch, es ist nur Eins groß, das Eine, in dem alle Begriffe von absoluter Größe, von Dauer, Raum, Kraft, von Ewigkeit, Unendlichkeit und Allmächtigkeit zusammen fließen: – GOTT – des Weltalls schaffender, belebender, ordnender Geist! – Da hört aller Vergleich auf, da steht alle Betrachtung still, da hat der Gedanke seine Schranke; und wer sie überschreitet, der verirrt sich, wie der Schiffer ohne Kompaß im Ocean. –


Vom Himmel zur Erde niedersteigend, ist es uns gestattet, an Das, was wir groß nennen, einen bescheideneren Maßstab anzulegen. Mit Recht nennen wir groß Männer und Thaten, an denen das Geschlecht sich erwärmen kann und erheben in allen Zeiten. In Hellas, in Palästina und in Italien, wo noch der Garten der Erde zur Stunde blüht, da haben von jeher die heiligen Symbole, Freiheit und Tugend, in Helden ihre Träger gefunden; dort wuchsen die hohen Lebensbäume der Menschheit auf, die über die Zeiten ragen; dort war die Heimath der Götter, der Heroen, der Bildner des Geschlechts, wie sie die Wiege jenes Wunderkindes gewesen, welches Hirten und Könige verehrten; von dort her sind die Engel ausgezogen mit dem ethischen Flammenschwert zur Rache gegen Trug, Mißbrauch und Entartung. – In jenen Sonnenländern wurde auch das griechische Leben geboren und entwickelt, in welchem alle späteren Humanitätsbestrebungen des Abendlandes ihre Quelle haben. An der Geschichte des kleinen Griechenvolks, an den hellenischen Geschicken ist der Welt klar geworden, daß im Menschheitsleben etwas Anderes wirkt und schafft, als die Materie, welche dem eisernen Zügel der Nothwendigkeit blind gehorcht: ich meine die höhere Willenskraft, welche die freien Geister regiert und keine andere als eine freiwillige Unterwerfung will. – Frei ist die Wahl unter den Elementen des Glücks der Geisterwelt gegeben. Mögen sie nun nach eigener Willkür zum Göttlichen sich bestimmen, oder zum Abfall und zur Erniedrigung, sie werden letzteres doch nicht anders zu thun vermögen, als auf die Gefahr hin, im Nichtigen sich zu verlieren, dem Alles anheimfällt, was sich lossagt von den unwandelbaren Geboten der Tugend und der Pflicht. Bei den griechischen Helden, welche aus freiem Entschluß sich jener ethischen Leitung hingaben, die im Gewissen vernehmlich spricht, sehen wir ihren Willen mit dem der Gottheit, als dem Ursprung ihres Wesens, in Eins zusammenfließen und deshalb wirken sie mit einer Kraft, Stärke und Dauer im Geisterreiche fort, gegen welche das Wirken der großen Menschen späterer Zeiten oft unbedeutend erscheint. Zeiträume des Verfalls liegen zwischen der Gegenwart und den Tagen, da die Heroen in die Schattenwelt hinunterstiegen; wir kennen ein ganzes Jahrtausend, in welchem das kranke Geschlecht in Siechheit sich hingeschleppt; wir kennen Jahrhunderte, in welchen die Schatten des Todes und der Verwüstung umgegangen und das Leben der Völker sich, in Mühsal und Elend aufgelöst: aber nicht das zeitweilige Taumeln