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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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späteren Zeiten aufgeführt haben, jetzt bis auf geringe Spuren verschwunden. Die Landschaft bei den Thermopylen gewährt heutzutage ein trostloses Bild der Oede und Unfruchtbarkeit, und zudem ist sie wegen ihrer Ungesundheit ebenso berüchtigt, als wegen ihrer Unsicherheit; denn das rauhe zerklüftete Gebirg ist der Zufluchtsort der Räuber, welche die Grenzen zwischen dem türkischen und griechischen Gebiete beständig heimsuchen und plündern. Die sonst so berühmten Thermen sind längst eingegangen; die heißen Quellen haben sich zwischen Schutt und Ruinen ein tiefes Bett gegraben, und schleichen als dampfende Bäche zu dem Gestade hin, welches sie versumpfen.
Die Geschichte, bis auf unsere Tage herab, weiß von zahlreichen Kämpfen an diesem Thore Griechenlands zu erzählen; aber keiner glänzt und leuchtet herrlicher aus der Nacht der Zeiten herauf, als der Spartaner Heldenkampf und Opfertod unter ihrem Könige Leonidas. Es war im Juli 480 vor christlicher Zeitrechnung, – als das kleine Volk der Griechen zur Vertheidigung seiner heiligsten Güter, Freiheit und Unabhängigkeit, den Kampf mit der Weltmacht der Perser ausgenommen hatte– daß Xerres Griechenland mit einer Flotte und einem Heere zu gleicher Zeit angriff. Flotte und Heer waren zahlreicher, als sie je die Welt gesehen. Auf Athen lastete die Vertheidigung zur See; der Schutz der Landesgrenze lag den übrigen Staaten ob. Die Besetzung und Vertheidigung des Thermopylenpasses wurde dem tapfersten Feldherrn der Griechen, Leonidas, dem Spartanerkönig, übertragen. Das kleine Sparta konnte nur 300 Bürger und 1000 Heloten stellen; zu ihnen stießen die Kontingente der Lokrier, der Phocier, Arkadier, Thebaner und das von Korinth. Ihre an den Thermopylen vereinigte Macht belief sich auf höchstens 10,000 Mann. Gegen dieses kleine Heer hatte Xerres seine Hunderttausende herangeführt, er selbst hatte den Oberbefehl übernommen.
Langsam wälzte sich durch die Gefilde Thessaliens der Zug der Perser, sechstausend Wagen, hunderttausend Saumthiere, Kameele und Elephanten schleppten das Heergeräthe und Speisen für Roß und Mann; denn das durchzogene Land selbst hatte die Mittel zur Ernährung solcher Armeen nicht. Jede Nacht flammten Berge und Thäler von den unzähligen Feuern der Perser, jeden Morgen dröhnte die Erde von den Tritten der Thiere und Menschen, von dem Rasseln der Wagen und Kriegsmaschinen stärker und erschreckender. Als die griechischen Vorposten endlich der Perser endlose Kolonnen heran kommen sahen im funkelnden Waffenschmuck, da sank vielen der Muth und sie meinten, es sey Thorheit, daß Einer streite gegen Hunderte, und kostbares Blut in fruchtloser Vertheidigung vergossen werde. Die peloponnesischen Heerführer stimmten dafür, man möge alles griechische Land bis zum Isthmus von Korinth, weil es nicht mit Erfolg zu vertheidigen sey, preisgeben, am Isthmus selbst aber eine unüberwindliche Stellung einnehmen. Gegen diese Meinung traten die Thespier und Phocier auf, deren Gebiete dem Einfall der Perser zunächst ausgesetzt waren. – Der Zwiespalt der Meinungen wurde heftig; er schürte die keimende Entmuthigung und bedrohte das griechische Heer mit schmählicher Auflösung Angesichts der größten Gefahr.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 258. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/263&oldid=- (Version vom 20.10.2025)