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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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Anführung des Hydarnes, eines erprobten Feldherrn, um die Stellung des Leonidas zu umgehen. Noch vor Anbruch des Tages hatten sie die Höhen erstiegen. Dort überraschten sie eine Schaar von 1000 Phociern, welche zwar muthig kämpften, sich aber bald vor der Uebermacht zurückziehen mußten. Leonidas hatte inzwischen vom Verrath des Meliers Kunde erhalten, und mit derselben schwand die letzte Hoffnung auf siegreichen Widerstand, welche der glänzende Erfolg des vorhergegangenen Tages in ihm geweckt hatte. Es war ein großer Moment und er offenbarte des Königs ganze Heldennatur. Eingedenk seines Gelöbnisses, seine Pflicht und den Ruhm seines Vaterlandes im Auge, voll des Gedankens, daß das Griechenvolk eines großen Beispiels zu rettender Begeisterung und Einigkeit bedürfe, eines Beispiels für alle Zeiten, rief er seine Spartaner um sich, setzte ihnen mit wenigen Worten die Hoffnungslosigkeit ihrer Lage und die Größe des Opfers, welche das Vaterland forderte, auseinander und stellte die Frage: ob sie bereit seyen, mit ihm in Vertheidigung der Thermopylen zu sterben. Alle – es waren ihrer 300, welche vom Würgen des vorigen Tages übrig waren – riefen, wie aus einem Munde: „Mit dir wollen wir streiten und sterben!“ Von den übrigen Griechen blieben noch 700 Thespier bei Leonidas, die den Spartanern den Ruhm des Heldentodes nicht allein lassen wollten. Die übrigen Kontingente entließ der König, „auf daß ihre Tapferkeit dem Vaterlande für künftige Schlachten bewahrt bliebe“; und dann bereitete sich die kleine Schaar durch ein feierliches Gebet zum Tode. Es war nahe am Tagen. Eben verschwanden die letzten Sterne am Firmamente, der herrlichste Morgen brach an, Phöbos entstieg seinem Purpurbette in der östlichen Fluth und vergoldete die Felsspitzen des heiligen Oeta. „Seht“, rief Leonidas aus: „Apoll lächelt uns Beifall, und die Götter bereiten sich, uns zu empfangen. Kommt, laßt uns ihnen Dankopfer bringen und dann laßt uns das Frühmahl genießen, froh und heiter, weil eingedenk, daß wir das Abendmahl zusammen im Hades einnehmen werden!“ – Auch Xerxes bereitete sich feierlich zur Schlacht vor. Er hatte im Angesicht seines ganzen Heeres bei Anbruch des Tages der aufgehenden Sonne Brandopfer gespendet und dann seine Kolonnen in Schlachtordnung gestellt. Doch die Erneuerung des Angriffs geschah nicht. Vergeblich harrte Leonidas den ganzen Vormittag. Es war nämlich zwischen Xerxes und Hydarnes verabredet worden, daß man nicht eher angreifen wolle, bis der entsendete Heerhaufen im Rücken der Griechen Stellung genommen hatte. Erst gegen Mittag erhielt Xerxes Botschaft, daß dies geschehen sey, und nun befahl er zu stürmen. Leonidas mit den Seinen, alle dem gewissen Tode geweiht, kämpften nicht wie Menschen, sondern wie Götter. In jedem Arm steckte die Kraft eines Herkules. Die Perser, verblüfft ob der unbesiegbaren Tapferkeit und übermenschlichen Stärke der Gegner, wankten, nachdem ihrer viele Tausende erschlagen waren, rückwärts. Da befahl der König, die Weichenden mit Lanzenstichen und Geißelhieben zu empfangen und wieder gegen die Verschanzungen zu treiben, welche Leonidas am Eingang des Passes vertheidigte. In demselben Augenblicke aber stürzte an der Spitze der Seinen Leonidas über die Hügel der erschlagenen Feinde hinab den Persern entgegen. Wie Würgengel
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 260. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/265&oldid=- (Version vom 20.10.2025)