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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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des Todes wütheten sie mit breitem kurzem Schwert in den Reihen des Xerxes. Tausende wurden erschlagen, andere Tausende stürzten sich, entsetzt, in’s Meer und ertranken; noch Tausende wurden von den eigenen Reiterschaaren zertreten: denn der Griechen Angriff brächte das ganze persische Heer in Verwirrung. Jede Minute aber schmolz die Heldenschaar, – und ehe der Abend kam, bluteten ihre Letzten aus tausend Wunden.
Unter ihnen auch Leonidas. Auf einer Anhöhe, mitten im wildesten Getümmel, ragte die hohe Heldengestalt; da sank die Sonne hinter des Oeta kahles Haupt, und mit ihr sank der König, getroffen von einem feindlichen Speer. Der letzte Kampf raste nur noch um seinen Leichnam. Zusammengedrängt, um den Hügel, auf den Leonidas gefallen war, wurden die wenigen noch übrigen Spartaner und Thespier zuletzt von den Feinden erdrückt und als sie sämmtlich getödtet waren, trugen die erbitterten Perser Steine herbei und thürmten über ihre Leichname einen Felshügel auf. Kein Einziger der ganzen Schaar blieb am Leben; Alle starben, wie sie gelobt hatten, den Heldentod für’s Vaterland.
Sie waren nicht umsonst gestorben. Als die Kunde der Großthat sich über Griechenland verbreitete, durchdrang Opfermuth und heilige Begeisterung das ganze Volk. Jeder hatte nur noch einen Sinn: es den Männern von Thermopylä gleichzuthun. Von diesem Augenblicke an war Griechenland unüberwindlich. Die Tage von Salamis und Marathon zerbrachen der Perser Macht, sie retteten Griechenlands Freiheit und Unabhängigkeit, sie retteten den Kulturgang der Menschheit, der in der Entwickelung des griechischen Lebens seinen Ausgangspunkt gefunden hat. Die Dichter aller Zeiten haben darum die That des Leonidas und der Seinigen als eine göttliche gepriesen und an ihrem Feuer wärmten und wärmen, erhoben und erheben sich die Geister der Menschen in allen Zeiten, die da waren, die da sind, die da seyn werden. –
Drei Inschriften meißelte das dankbare Griechenvolk den Felsen in’s Angesicht, welche der Großthat Zeuge waren. Vor zwei Jahrhunderten war noch die Eine zu lesen. Sie lautete:
| Daß wir, ihrem Gesetz getreu, hier liegen, verkünde Du, o Wandrer! – dort den Lacedämoniern! |
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 261. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/266&oldid=- (Version vom 20.10.2025)