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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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ihre heitersten Melodien in den Tag hinaus, weit unten hatte der Hudson sich zwischen blühende Obstgärten und Wiesen gebettet, da, wo grüne Oasen im Dunkel der Wälder auftauchten, Seen sich im Sonnenschein wärmten, Bäche wie glitzernde Perlenschnüre die Wohnungen der Menschen umzogen und weiter hinaus Hügelreihen sich hinter einander aufthürmten und ihre scharfen Silhouetten am Himmel abzeichneten. Als wir auf der Kante des jähen Abhanges standen und dem Geflüster der Winde in den Baumkronen lauschten, begleitet vom fernher tönenden Blöken der Heerden, wurde die Scene zur Vision und wir traten unwillkürlich zurück, damit die verführerische Lieblichkeit des Anblicks uns nicht in die schwindelnde Tiefe ziehe.
Nach dem Frühstücke schlugen wir einen sehr simplen Pfad über ein ödes, steinbesäetes Plateau ein und ließen uns von dem noch simpleren Wegweiser nach den Fällen leiten, welche, durch den Ausfluß eines kleinen Sees gebildet, über eine große Felsentreppe stürzen, um den Weg in die Niederung zu suchen. Obgleich der Blick von oben herab auf das Gewässer, mit seinem bunten Felsengeröll und den überhängenden Fichtenstämmen, außerordentlich wild ist, so bietet die Partie doch nur dann malerische und imponirende Schönheiten dar, wenn schwere Regengüsse den Strom angeschwellt haben. Gewöhnlich erscheint er nur als ein in Dunstwolken verschwimmender Staubbach, der am Fuß der Felsen sich wieder zum Bache sammelt.
Von den Fällen wanderten wir nach dem sogenannten Clove, einer pittoresken Gebirgsöffnung in kurzer Entfernung von „Pine Orchard“. Es ist ein steiler, schluchtartiger Paß, durch den ein reißender und wasserreicher Bergstrom von Fels zu Fels stürzt. Ein schmaler Pfad umgeht die überhängenden Riffe, welche die eine Seite bekleiden, während auf der andern sich tiefe Rinnsale öffnen, die mit Felsstücken angefüllt sind.
Diesen Fall, der den Indianernamen Deroya führt, ist so in den Bäumen des Waldes verborgen, daß der zufällige Wanderer ihn leicht übersehen kann; aber einmal entdeckt, entzückt und fesselt er durch seine wunderbare Schönheit. Es schwebt eine feenhafte Stille über der heimlichen Landschaft. Die hohen Felsen, über welche der Bach sich ergießt, sind in abenteuerlicher Gestalt über einander gethürmt. Ihren Fuß baden sie in dem schäumenden Gewässer, üppiger Baumwuchs und Rankenpflanzen decken ihre Seiten und ihre Häupter verlieren sich im Blau des Himmels. Lange Zeit wanderten wir auf den verwachsenen Pfaden umher und konnten der Bewunderung nicht satt werden; erst nachdem Einer vom Staubbach, ein Anderer vom Terni, ein Dritter vom Montmorency Vergleiche herbeigeholt und vertheidigt hatte, verließen wir die Wildniß und machten uns auf den Rückweg nach dem White Mountain House.
Kaum waren wir da angelangt, so hatte auch die Natur ein anderes Schauspiel für uns vorbereitet. Mit dem einbrechenden Abend sammelten sich Wolken am nördlichen Himmel. Die dunkeln Gipfel der entfernteren Berge, um die sie sich lagerten, nahmen das Aussehen eines fortlaufenden undurchdringlichen Walles an. Ein heftig
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 266. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/271&oldid=- (Version vom 23.10.2025)