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stoßender Wind, welcher anfänglich wie ein Flug Vögel durch den Wald rauschte, riß mit einem Mal die Blätter von den Aesten, wirbelte sie hoch durch die Lüfte und wuchs an zu solcher Gewalt, daß der Urwald dröhnte wie vom Gebrüll von tausend wilden Bestien. Plötzlich brach ein Regenstrom über uns los, der Alles zu ertränken drohte. Die Wassermassen, welche von den Gipfeln der Berge niederbrausten, rissen, was ihre Bahn hemmte, Erdschollen, Baumstämme und Felsstücke, Alles mit unwiderstehlicher Gewalt fort und ungeheure Fluthen strömten durch die Schluchten der Ebene zu. Der Sturm währte jedoch nur kurze Zeit; die triefenden Bäume erhoben sich wieder aus den Wolken und standen, wie mit Edelgestein geschmückt, in der Abendsonne.

Die große Thalebene unter uns füllte sich mit Nebel; sie wurde ein großes wogendes Meer. Es rollte hin und her in stummer wellenähnlicher Bewegung, ohnmächtig gegen die Veste anstürmend, auf welcher wir standen. Manchmal ballte sich der Nebel zum Bilde eines großen Schiffes auf, das tollkühn auf den Wellen tanzte; dann enthüllten sich wieder auf Augenblicke die Felder darunter, als wollten sich die lichtscheuen Verstecke der Tiefe uns zeigen, mit ihren Korallengrotten und ihren von Ewigkeit her vergrabenen Schätzen. Endlich, als sich das Thal mehr und mehr lichtete, verwandelte die Nebelfluth sich in phantastisches Bauwerk, und die Bilder verschwammen, wie die Luftschlösser unserer Jugend, in den Aether. –

Ein eisiger Wind folgte dem Sturm und trieb uns in’s Haus an das lustig flackernde Kamin; da saßen wir und lasen Irvings drollige Sagen von Rip van Winkle’s zwanzigjährigem Schlaf in den Bergen, meinend, wir hörten in den plötzlichen Windstößen, welche unsere Fenster erzittern machten, das Gelächter der Schiffsmannschaft bei dem unglückseligen Kegelspiel.




DCCLVII. Der Khosanpaß im Kaukasus.




Das Innere des Kaukasus verbirgt uns unbekannte Wunder. Noch nicht der zwanzigste Theil dieses Hochgebirgs ist erforscht, und was uns Koch, Bodenstedt und andere Reisende davon erzählen, ist doch nur Das, was sie in der Nähe der wenigen Straßen gesehen haben, welche den Kaukasus überhaupt zugänglich machen. Was außer den Heerwegen liegt, ist für den Europäer noch eine völlige terra incognita.

Die Zugänge zu dem wilden, schroffen Berglande winden sich durch tiefe Schluchten oder an steilen Bergwänden hin und sie werden häufig zu bloßen Pässen, wo eine Handvoll entschlossener Männer hinreicht, ein ganzes Heer aufzuhalten. Diese Terrainschwierigkeiten sind so starke Schutzwehren der Freiheit für die Kaukasusvölker, als ihre