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angeerbte Tapferkeit. Sie machen das Land unüberwindlich und haben alle Unterjochungsversuche der Mongolen, Perser, Türken und Russen seit Jahrhunderten vereitelt.

In unserm Bilde ist eine Paß-Scenerie in der Gegend von Keschaur dargestellt. In dieser Region ragen die höchsten Häupter des Kaukasus: schroffe, zackige, ungeheuere Berggipfel, kahl und baumlos, und nur an den südlichen Wänden mit spärlichem Strauchwerk und magerem Gras bewachsen. Auf den höchsten Bergen herrscht ewiger Winter, und an der Nordseite hängen Gletscherwände bis tief in die dunkeln Schluchten hinab. Viele derselben entbehren des Sonnenstrahls und der Tageshelle das ganze Jahr. Lachende Naturbilder wie in der Schweiz, die herrlichen Seelandschaften, die Gieß- und Staubbäche, die Kaskaden und Katarakten in grünen, blühenden Thalgründen sind im Kaukasus nicht zu suchen. Statt der landschaftlichen Heiterkeit, welche die Schweizer-Alpen zum schönsten Gebirge der Erde macht, ist finsterer Ernst des Kaukasus Ausdruck und Majestät sein Diadem. Jeder, der die kaukasischen Riesenberge sah, gesteht, daß ihr Anblick etwas Erdrückendes habe; erheitert fühlt sich Keiner, und wer je in der Schweiz gewesen ist, oder in Tyrol, oder in Salzburg, wird, wie Jacquemont bei dem Anblick des Himalaya, ausrufen:

„O wie viel schöner sind doch Europa’s Alpen!“




DCCLVIII. Chateau Tancarville
in der Normandie.




Ruinen bedecken die ganze Erde; Ruinen sind die Berge und die Thäler; jede Zeit bürdet ihre Trümmer den ältern auf. Die Schatten der Geschichte gehen um, wohin wir schauen, und wohin wir horchen, dringt die Stimme untergegangener Völker in unser Ohr. Tancarville an der Seine – wer hat je von Tancarville gehört? Wie ein verwünschtes Schloß, mehr Vision als Wirklichkeit, erheben sich seine Mauern und Thürme über die Waldnacht und glitzert des Mondes Helles Licht durch die scheibenlosen Fenster. Magisch heben sich die Formen des Gebäudes von den tiefen Schatten des Forstes ab; aber aus dem klaren Wasserspiegel unten gucken die Segel blendend weiß herauf und geben der Scene Leben.

Ich setze mich nieder auf einen bemoosten Felsblock, um zu träumen und im Buche vergangener Zeiten zu lesen. – Horcht! Sind das nicht Stimmen aus dem Thale? Ferner Gesang tönt her, wie Chorgesang und Psalm. Männer mit weißen Bärten bewegen sich in feierlichem Schritt um eine Felsplatte, auf welcher ein Feuer lodert.