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Fernab kniet stummes Volk in weitem Halbkreis. Keltische Priester sind’s, welche die Götter der Wälder, der Stürme, des Donners, der Schlachten verehren, und die unwissende Menge beugt sich vor ihren geheimnißvollen Sprüchen in Furcht und Unterwürfigkeit. Sie herrschen durch den Schrecken; das Volk gehorcht ihnen mit fanatischer Demuth. O entsetzlich! Seht, im tollen Wahn reißt dort eine Mutter den Säugling von ihrer Brust und ein Priester schleudert das Kindlein in die lodernden Flammen. Welcher Glaube ist das gewesen und welcher Gott, der Menschenopfer forderte! Hinweg mit dem gräßlichen Schattenbilde!

Ich träume wieder. Taumelnde Nebel machen das Thal zum wogenden Meere. Ein Sturm erhebt sich, die Bäume brechen, der Regen stürzt in Strömen herab. Allmählig legt sich das Wetter und heller Sonnenschein beleuchtet das Bild der Zerstörung. Aber die Ruhe der Natur muß vor dem Lärm der Menschen weichen. Das Geklatter der Schilde, der Klang der Schwerter, der Widerhall der Streitaxtschläge dringen herauf, Krieg rast in dem Thale, Flammen wirbeln aus den Hütten, heulend fliehen Weiber und Kinder. Bewaffnete Männer aus anderem Volk streiten mit den keltischen Männern. Diese unterliegen. Am Fuße der Altäre werden Priester und Barden erschlagen und gestürzt werden die unförmlichen Götzen von ihren Postamenten. Auf der Stelle der niedergebrannten Hütten aber richten die Fremden Wohnungen und weite, blühende Städte auf. Ueber herrliche Göttergestalten wölben sich Tempel und Säulenhallen; Wald und Gau, Berg und Thal, Schlucht und Strom, jeder Baum, jede Blume, jedes Atom der Schöpfung beseelt sich und hat seinen Gott. Das Schlachtgetümmel schweigt, der Friede herrscht Jahrhunderte lang, Evoe! jubelt es und hallt es wieder in den Bergen, Blumengewinde schmücken alle Altäre, der Cymbelschlag ist an die Stelle des Schwertschlags getreten; der römische Adler, gesättigt vom Blute der Nationen, er wird trunken vom Wein.

Ich träume wieder. Neues Chaos im Thal, Getümmel und Rebellion, Verrätherei, ein Schlachten und Würgen, ein Metzeln und Ringen, ein Brennen und Sengen: die Städte lodern zum Himmel auf, es stürzen die Tempel, zwischen zerbrochenen Altären liegen zerbrochene Götter: alles Glück ist mit dem Frieden geflohen, die Furien des Bürgerkriegs verwüsten das Land, die Greuel der Anarchie haben es verödet. – Da tritt ein begeisterter Seher hinzu und verkündet das Kreuz, das neue Heil, die Gleichheit aller Menschen vor dem Throne Gottes, Lohn und Strafe für’s Gute und für’s Böse in Ewigkeit. Hosiannah! Hosiannah! rufen die erlöseten Völker, der Adler Roms, altersschwach und verachtet, stirbt, die letzten Priester des Heidenthums zerbrechen selbst die letzten Götterbilder und werden Priester des großen einzigen Gottes, welcher Liebe um Liebe gibt. Rom hat ausgeherrscht; wie ein Schemen vergeht ein Weltreich.

Wieder ein Traum – und noch einmal Finsterniß im Thal. Wie unbeständig ist das Menschenglück! Sieh’, wie ein Heuschreckenschwarm bei einem Gewittersturm fahren wilde Eroberer daher, Männer von Riesengestalt und