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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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Als Girard vor einigen Jahren starb, kleidete sich ganz Philadelphia in Trauer, und der Kongreß sprach seine Klage über den Verlust des großen Patrioten und Philanthropen auf die ehrendste Weise aus. Die Universalerben seines ungeheuern Vermögens waren – die Waisen und Verlassenen.
Ich habe in jüngeren Jahren manches Stückchen Erde gesehen, und manches Bild aus dem flüchtigen Leben hat sich tief in mein Gedächtniß geprägt; aber kaum ist eine Erinnerung lebendiger geblieben, als die einer Fußwanderung durch das romantische Pembrokeshire während meines Aufenthalts in England. Der Glanzpunkt dieses Ausflugs war Sankt David – die uralte, stille Celtenstadt mit ihrer Kathedrale und ihren herrlichen Klosterruinen. Wir hatten uns verspätet, und der Führer leitete uns hinaus zu den berühmten Trümmern in heller Mondnacht. Da lagen sie in stiller Pracht und ruhiger Majestät, vom falben Licht übergossen. Glänzende Johanniswürmchen schwärmten in der Luft oder hingen wie Diamanten an dem, die Mauern kleidenden wilden Wein und Epheu; am Horizont aber leuchtete es dann und wann hinter den schwarzen Wetterwolken herauf, die auf dem Gebirge ruheten.
Die Reformation hat die Pfaffen ausgetrieben und das Kirchengut zersplittert; auf der Brandstätte dreier Jahrhunderte baute sich die Hütte des armen Mannes den Ruinen des Palastes an, wo ein Bischof mit seinem Kapitel und Mönchen die Einkünfte einer Grafschaft verzehrte. Sankt David, die Stadt, wuchs und wurde wohlhabend von den Brosamen, die den geistlichen Herren vom Tische fielen. Jetzt ist das anders. Der Ort ist selbst zur Ruine geworden. Gras wächst auf den Straßen, Schutthaufen bezeichnen die Märkte und der äußerste Verfall ist überall sichtbar. Ich vernahm nur Klagen über den Untergang des Alten. „Wenn das Zertrümmerte doch wieder neu würde!“ hörte ich die thörichten, armen Menschen wünschen, die nicht begreifen konnten, daß Bauen und Zerstören sich ablösen, und Todtes in den alten Formen nie aufersteht. –
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 26. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/31&oldid=- (Version vom 3.10.2025)