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DCCXVI. Eine Soiree in den Tuilerien.




Civilisation ist ein sehr dehnbarer und beziehungsreicher Begriff, und wenn man von einem Volke sagt, es habe den Beruf, zu civilisiren, oder es stehe an der Spitze der Civilisation, so ist dies immer mit Vorbehalt zu verstehen. Jede Nation hat eine eigenthümliche Civilisation, wie ein eigenes Leben. Persien und Byzanz, Griechenland und Rom hatten ihre eigene Kultur, China und Japan haben die ihrige; aber welche Verschiedenheit zwischen diesen Allen! Die Civilisation – die Verbindung der individuell-geistigen Bildung mit dem geistigen und gesellschaftlichen Leben der Völker – ist von der Gesittung wohl zu unterscheiden. Die Civilisation kann eine barbarische seyn, wie in Byzanz sie war, wie in China sie noch ist; wo aber wahre Bildung für ein ächt-menschliches Daseyn und Wirken vorhanden ist, da ist das Wort „Gesittung“ der rechte Ausdruck. Ist die Civilisation der Gesittung fremd, so führt sie nicht zum Leben, sondern zum Tode. Die wahre, von sittlicher Kraft getragene Gesittung allein ist’s, welche segensreich den Gedanken des Einzelnen über das gemeinsame Volksleben ausbreitet, das Daseyn veredelt; das Volksthum zur Menschheit erhebt und dadurch Stämme und Völker verbindet. Die falsche Civilisation dagegen lügt äußeres Leben bei innerem Tod, birgt Rohheit unter äußerem Glanze, bedeckt die Verworfenheit mit dem glänzenden Gewande gesellschaftlicher Formen, und bahnt der Barbarei den Weg durch gleißende Aeußerlichkeit. Die Gesittung eines Volks nach den äußern Erscheinungen seiner Civilisation zu bemessen, ist daher nicht minder thöricht, als die Höflichkeit zum Maßstabe der Sittlichkeit oder die konventionelle Ehre zur Stellvertreterin der Tugend zu machen.

Hiernach ist die stolze Behauptung der eitelsten Nation der Erde zu schätzen, sie stehe an der Spitze der Civilisation und diktire deren Gesetze der Welt. Die Franzosen verwechseln das Aeußerliche, Nichtige, mit dem