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Wesentlichen, Beständigen. Sie oktroyiren der sogenannten gebildeten Gesellschaft die Vorschriften der Form, reguliren mit unbestrittener Alleinherrschaft den Schnitt ihrer Kleider, die Dekoration ihrer Zimmer, die Gestalt ihrer Geräthe; aber im Reiche der Gesittung wird ihre Macht von der der Deutschen bei weitem übertroffen. Der französische Einfluß auf die übrige Welt ist in der That im Sinken – in demselben Verhältniß, wie das französische Volk ärmer wird an den sittigenden Elementen, Gütern und Eigenschaften, welche ein geistig erhabenes, edles Volksthum recht eigentlich bezeichnen. Frankreich hätte wohl die Rolle einnehmen können, welche es prätendirt, hätte es nicht den Schein für das Wesen hingenommen, hätte es mit Ernst und Selbstverleugnung an seiner Gesittung gearbeitet. Die Verhältnisse waren günstig. Aber die Zeit ist vorüber; seine Ansprüche können sich nicht mehr verwirklichen.

Das einflußreichste und für die Interessen der Civilisation in Europa unheilvollste Ereigniß war ohne Zweifel jenes Compromiß des französischen Königthums mit der römischen Kirche, durch welches die Entwickelung der reformatorischen germanischen Volkselemente in Frankreich für immer gebrochen und das Land dem Romanismus für alle Zeiten überliefert wurde. Die nächste Folge war die Ausrottung des germanischen Geistes in Staat und Kirche, durch den Mord und die massenhafte Vertreibung der edelsten Geschlechter besiegelt. Es gab Frankreich, an die Stelle der germanischen Monarchie, welche auf demokratischer Theilung der Gewalten ruhete, das absolute Königthum, es gab ihm die Centralisation statt der Selbstverwaltung der Gemeinden, es machte es unfähig, etwas Anderes als den Despotismus zu ertragen, – Form und Name der Regierung mögen seyn, welche sie wollen. Frankreich konnte eine untheilbare Republik werden ohne Freiheit, die Gleichheit proklamiren ohne Selbstregierung, mit einer Literatur glänzen ohne wahre Gelehrsamkeit, eine Kirche haben ohne sittlichen oder religiösen Ernst, eine Poesie ohne Begeisterung, eine Rhetorik ohne Wahrheit, eine Manier ohne Styl, die Mode, statt der Sitte. Frankreich, statt den Fortschritt anderer Völker zu fördern, hat Europa eine Kunst aufgedrängt ohne Natur, das Akademische statt des Antiken, das Konventionelle statt des Wahren, das Gefällige und Buhlende statt der unbewußten Anmuth, Zopf, Perücke und Rococco statt des Menschlichen, die Oper statt des Schauspiels, das Melodrama statt der Tragödie. Aber der französische Stern neigt seinen Lauf – Frankreichs Prätensionen auf Kultur-Herrschaft und Einfluß verlieren täglich mehr an Gewicht und Geltung. Die Erniedrigung der Nation, der eine Rotte von Abenteurern, Schurken und Fanatikern der Selbstsucht das schmählichste Joch aufgelegt hat, welches je ein Volk getragen, ist jetzt so groß und so augenfällig, daß die Mißachtung der Anmaßung nothwendig Eintrag thun muß. Unfehlbar muß die geistige Machtstellung eines Volkes sinken, welches, nachdem es zwei Menschenalter hindurch die Lehren so vieler sozialen Experimente genossen, herabgebracht ist, eine Regierung zu ertragen, welche den Menschen das Sehen und Denken untersagen würde, wenn