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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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sie könnte; eine Regierung, der beim Anblick jedes uncensurirten Zeitblattes eine Gänsehaut überläuft; eine Regierung, die der Nation offen in’s Angesicht sagt: „weil Einige das Licht mißbraucht haben, so sollt ihr Alle im Finstern wandeln; weil Schwärmer und Schwindler die Freiheit zum Schreckbilde gemacht haben, so sollt ihr mit Stock und Säbel regiert werden; weil Leute von hohem Charakter und Geist bei früheren Revolutionen zu diesen übergetreten, sollen jetzt Schwachköpfe und Nichtswürdige die Ordnung stützen“. Die Leute, die dies den heutigen Franzosen in’s Angesicht werfen, merken nicht, welchen Vortheil sie ihren Todfeinden, den Kommunisten, den Theilern, den Jakobinern dadurch in die Hand geben, daß sie sich mit diesen auf eine Basis stellen; denn auch jene Herrschsüchtigen wollen ja nur Unwissende, Plünderer und Niedersäbler.
Es ist der ärgste Fluch des Despotismus, daß das beständige Streben desselben, sich und seine Handlungen dem Volke als heilig und verehrungswürdig darzustellen, zur Selbstanbetung hinführt. Fast alle Tyrannen und Autokraten wurden zu ihren eigenen Götzen. Warum sollte sich Derjenige, der angebetet wird, nicht für anbetungswürdig halten? Der Despot sieht jede seiner Handlungen, auch die schauerlichsten, empörendsten, grausamsten, rechtlosesten, von seinen Dienern und Sklaven als gut, schön, nachahmungswürdig, gesellschaftsrettend, groß und herrlich gepriesen; warum sollte er nicht fortfahren in seinem Lasterleben und Unrechtthun? Gegen diese Adoration erscheint die Anbetung der Thiere bei den Völkern des Alterthums noch erhaben. Der Aegyptergott Krokodil besaß keine Eitelkeit, und keine Theorie von Erbweisheit und Gottesgnadenthum gab Alles, was er that, für unfehlbar, untadelhaft, heilig und unverletzlich aus; er dachte nicht daran, sich vermöge seines Krokodilinstinkts über den Menschengeist zu erheben. Unter beiden Kulten, dem ägyptischen Thierkultus und demjenigen, den in unsern Zeiten manche Fanatiker aus Ueberzeugung, viele „ehrenfeste“ Leute aber aus Klugheit üben, ist meines Erachtens der ägyptische der weniger verächtliche.
Die närrischen Menschen! Wie sie sich aufblähen im lichterfüllten Saale des Palastes, an dem jeder Stein die Nichtigkeit menschlicher Hoffahrt und Herrlichkeit predigt, und wie sie das neue Gestirn umkreisen, als wandele es ewige Bahnen! Keiner dieser von Gold und Seide starrenden Menschen denkt daran, daß ihr Gebieter noch vor wenigen Jahren ein Abenteurer war, gemieden von der guten Gesellschaft, und daß sie selbst nur der leichte Schaum sind, den die Woge, welche jenen zum Throne trug, aus der Tiefe an’s Licht gebracht. Wer hat die Helden mit Namen genannt vor den Mordscenen des Decembers, die sich jetzt in Generalsuniform in den kaiserlichen Sälen brüsten? Wer hat früher von den Excellenzen gehört, deren Staatsweisheit heute die Geschicke des kaiserlichen
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 33. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/38&oldid=- (Version vom 3.10.2025)