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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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Feldherren, die stolzeste Geburt, der größte Reichthum, die höchste amtliche Stellung sich befinden, und die ohne Urtheil und Recht, auf den bloßen Wink aus den Tuilerien hin, auf den Todtenacker Cayenne’s und nach Algier geschleppt wurden. Die Armee vermißt auf dem Kriegsschauplatz ihre ruhmreichsten und zuverlässigsten Führer, die Flotte auf den fremden Meeren viele tapfere und erprobte Offiziere, und mit Unwillen sieht ganz Frankreich die unsterblichen Zierden seiner Literatur in der Verbannung, oder, wie Heimathlose, von Land zu Land irren: wandelnde Zeugen der schmachvollen Zustände, unter denen ihr Vaterland seufzt. Wie der Verbrecher fortgetrieben wird von einer Staffel zur andern auf der Leiter des Verderbens, so kann auch der Despotismus nicht stehen bleiben auf der abschüssigen Bahn, die dem Abgrunde zuführt. Der Napoleonide hat die Vertheidiger der gesetzlichen Volksfreiheit, die er selbst beschworen hat, mit unerbittlicher Härte aus dem Wege geräumt; er hat den Terrorismus zum Schild seiner Gewalt gemacht, wie einst die Männer des Konvents in der Schreckenszeit; ja, nicht zufrieden mit der Befestigung seiner Macht durch alle bekannten Mittel der absoluten Herrschaft, stellte er sogar dem schönsten Recht der Könige, dem Begnadigungsrecht, das Recht der willkürlichen Strafschärfung gegenüber, indem er sich anmaßte, Strafen wegen politischer Vergehen als Ergänzung solcher zu verhängen, welche von den Gerichten ausgesprochen wurden, aber dem Staatsoberhaupte nicht genügten – ein Akt, welcher die letzte Schutzwehr der Bürger gegen die Tyrannei zerstörte, die unabhängige Rechtsverwaltung illusorisch machte, der Umkehr aller Begriffe von öffentlicher Moral und Ehre die Krone aufsetzte. Grimmige Erbitterung und tiefer Abscheu durchdringen darob jedes rechtliche Gemüth und der fressende Haß hat sich in alle Schichten der geknebelten Nation verbreitet. Das offizielle Lügengewebe, welches jeden Morgen und jeden Abend aus den publizistischen Bureaus an die Redaktionen der Journale abgereicht wird, um die Nation über ihre eigenen Gedanken und Stimmungen zu hintergehen, und das Ausland zu berücken, täuscht Keinen mehr, und jeder amtlichen Phrase des Lobes und der Verherrlichung der Staatsgewalt gibt der Argwohn eine entgegengesetzte Deutung. Nimmermehr kann ein solcher Zustand dauern! Gerade der ehrenwertheste Theil der Franzosen fühlt sich durch denselben im Tiefsten verletzt und erniedrigt. Er verabscheut zwar den Geist der Verschwörung; er findet jedoch seinen Vereinigungspunkt in der allgemeinen Entrüstung. Der Erfinder und Träger jenes Regierungssystems ist, weil er sich in der Wahl seiner Mittel keinen Skrupel macht, allerdings im Stande, es noch eine Zeit lang zu halten; allein dazu bedarf es einer immer größeren Anspannung der tragenden Kräfte, denn die Last, welche auf seiner Stellung liegt, wird alle Tage schwerer. Und hätte der Napoleonide die Kräfte eines Herkules, die er nicht hat, am Ende muß er unter der fort und fort wachsenden Wucht zusammenbrechen, sofern ihn nicht der Mord früher aus dem Wege schafft, oder ihn irgend ein mißlingender neuer Staatsstreich, welcher die schlummernde Revolution wach ruft, unter die Guillotine, oder an die Laterne bringt. Napoleons III. Tod aber, sey dessen Ursache welche
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 36. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/41&oldid=- (Version vom 3.10.2025)