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DCCXVIII. Im Bosporus.




Des Italieners Wort: „Hast Du Neapel gesehen, so magst Du sterben!" ist mit noch tieferem Sinn auch auf Stambul anzuwenden. Aber so wenig wie dort gilt es auch hier der Stadt selber. Konstantinopels Bauart ist, nach europäischen Begriffen, eine ganz abscheuliche; die engen, krummen Straßen voller Schmutz mit ihren gebrechlichen, hölzernen Häusern, deren Giebel mit einander zu kosen scheinen, machen das Häusermeer, welches, wie im alten Rom, sieben Hügel bedeckt, eher einem Lagerplatz ähnlich, als der Metropole eines großen Reiches, und man denkt dabei unwillkürlich an die Zelt- und Barackenstädte der Mongolen und turkomannischen Horden, welche Konstantins östliches Weltreich zerstört haben. Der Zauber, die magnetische Anziehungskraft Stambuls, die fast überirdische Herrlichkeit, von der die Dichter aller Zeit reden, ist in der wunderbaren Schönheit der Umgebung zu suchen, in dem Bildercyklus, den die Natur mit ewiger Meisterschaft zwischen dem Pontus Euxinus und dem goldnen Horn den Sterblichen zur Betrachtung und zum Genuß aufgestellt hat. Hier hat des Schöpfers Hand Alles allein gethan und die Herrlichkeit seiner Werke spottet jedem Versuche, mit der Feder oder dem Pinsel sie nach Gebühr zu preisen. Da ist kein Maß und kein Maßstab zu finden.

Es kann mit dem Zweck meines Buches sich nicht vereinigen, von den Panoramen zu beiden Seiten des Bosporus – vom thracischen Hügelland, wie von der anatolischen Berg- und Waldzone, – ausführliche Schilderungen zu geben, und die Namen und Beschreibungen aller Ortschaften, Lustschlösser, Thäler und Berggelände, Eilande, Buchten und Vorgebirge in diesem Paradiese den Lesern vorzuführen. Ich ziehe es vor, ihnen von Zeit zu Zeit einige Blumen dieses entzückenden, in ihrer Mannigfaltigkeit überschwenglichen Flors zu zeigen. Meine flüchtigen Skizzen geben einer lebhaften Phantasie weiten Spielraum. Der Leser mag sich die mit leichten Strichen angedeuteten Einzelheiten dieser Tempebilder – das Koncert der murmelnden Quellen und der rauschenden