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Bosporusfluth, das Blumenmeer in den Gründen und Auen, die schlanken, in langen Reihen über die Höhen fortziehenden Zypressen, die Schlösser, Dörfer und Gehöfte umhüllenden Fruchtbaumgruppen, den Duft der Rosenhaine und die luftige Pracht der Pinien, den Schirm der Dattelpalme, und das dichte Laubdach der Platanen, die, Schatten spendend, von den Höhen winken, das Spiegeln des Vollmonds und das Geflunker der Sterne in den Wogen, das Zirpen und Summen von Millionen Käfern in lauer Nacht, das Aufhüpfen und Geplätscher der Fische in den spiegelnden Gewässern u. s. w., selbst dazu denken und, wenn er will, seine Einbildungskraft; noch hinter den vergitterten Fenstern der Schlösser und Köschks des Padischah und der Veziere in den von Rosenduft durchfächelten Gemächern auf seidenen Divanen schwelgen lassen.

Ich führe den Leser vom Pontus Euxinus (dem Schwarzen Meere) herein durch das hohe Felsenthor in die mäandrische Enge. Wie herrlich hat da die Natur beide Gestade gezimmert! Wie die Höhen aufschwellen aus der Tiefe, bald rundkuppig, bald in leichter Schwingung, bald eingemuldet, bald sanft ansteigend, bald schroff und kühn mit hohen Wänden von braunem Gestein, bald mit niedrigem Felsrand, der gedeckt ist mit weichem Moos und umsponnen von Epheu und wildem Wein! Bald suchen sich die Ufer sehnsüchtig, als wollten sie sich küssen; bald weichen sie wieder zurück, weite Buchten bildend, wo ganze Flotten Schutz und Ankergrund finden; bald geben sie ein Bild tiefer Einsamkeit mit Feld, Wald und Wiese – bald wieder ein Gemälde der reichsten Staffirung mit Schlössern, Vesten, Ortschaften oder altersgrauen Burgen. Es ist ein ewiger Wechsel – so schnell und plötzlich, als im Theater bei dem Verschieben der Coulissen.

Seht das Bild an – ein schwacher Schatten der Wirklichkeit – und doch wie schön! Da schimmern im Gold der Morgensonne aus 2 Welttheilen die Vesten Riva, in alttürkischer Gestalt vom asiatischen und Fanaraki vom europäischen Ufer herüber, – letzteres mit der modernen Zuthat, den neuen Kasernen, dem Kommandantenhause und der hochragenden Seeleuchte, um welche sich die alten Festungswerke gruppiren, welche die Genuesen vor 6 Jahrhunderten zur Stütze ihrer damaligen Herrschaft auf dem schwarzen Meere und seinen Küsten errichteten. Beide Forts bilden ein Glied der Kette von Befestigungen, welche vom Pontischen Thor bis zur Stadt des Konstantin reicht, der Arena, wo sich die Mächte der Erde jetzt einander Schach bieten. Kein Wunder, daß sie wegen dieses Kleinods sich schon bei Lebzeiten des Erblassers in den Haaren liegen! Hat man doch schon vor anderthalb Jahrtausenden die Brücke zwischen Asien und Europa als den natürlichen Sitz der Weltherrschaft betrachtet und in der Uebertragung des Throns derselben von der Tiber zum Bosporus eine Eingebung Gottes sehen wollen! Wo fände sich auch eine solche Lage zum zweiten Male wieder, so gemacht wie die von Konstantinopel für den Austausch der Erzeugnisse aller Länder, so im Mittelpunkt aller 4 Himmelsgegenden, so geeignet zum Markt und Stapelplatz für jedes geistige und materielle Gut der Menschheit?