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erfleht für seine Feinde vom Allerbarmer. Unvergängliche Namen verklären die Felsen der Thermopylen, und Du kannst Andacht halten auf der Schädelstätte zu Arad und St. Jakob, auf den Gräbern der Brigittenau und Sempach. Die größten Heiligen haben keine Kenotaphe, die ehrwürdigsten Thaten sind nicht in Erz gegraben. Doch obschon wir in manchen Denkmälern ein überflüssiges und kindisches Spiel der Eitelkeit sehen, so wird doch Niemand gleichgültig vorübergehen an Erinnerungsmalen, welche uns Menschen in’s Gedächtniß zurückrufen, die wir verehren und die uns bei allem tüchtigen Streben als Stab oder als Vorbilder dienen. Der Gedanke: an dieser Stelle ist ein großer Mensch gestorben; hier wandelte sein Fuß, hier hat er Pläne gemacht für die Veredelung seines Geschlechts; da wurden die Leuchten der Menschheit, die großen Ideen, Entdeckungen und Erfindungen des Fortschrittes geboren; hier stritten Helden, hier weilten Menschen mit gewaltigem Geist, welche Völker beglückten durch Lehre und Leben; hier haben die Größten, Besten, Liebenswürdigsten des Geschlechts gelebt: – dieser Gedanke hat allemal Etwas, was unser Herz erhebt und unsern Geist kräftigt.


Am Rheine der neuen Welt – am Hudson, – eine halbe Tagereise von New-York, bei Westpoint, auf einem als Vorland in den Strom hinaustretenden Hügel und inmitten einer Parkanlage, steht ein einfaches Denkmal. Düstere Cypressen schatten im Hintergrunde und einige Trauereschen und Thränenweiden neigen ihre Zweige herab. Ein schmaler Kiespfad führt durch Blumengebüsch und über Grasplätze hin zu dem stillen Plätzchen. Auf dem Steine ist zu lesen: „Kosciusko, dem Helden zweier Welten“.

Kosciusko! Wer könnte an dieser Stelle das Wort aussprechen ohne Empfindungen der Ehrfurcht? Hier hat er gestritten, hier hat er als Sieger gestanden neben Washington und Lafayette, hier sahen die drei Männer die Sonne der Freiheit aufgehen über die junge Welt, die nämliche Sonne, die des Helden brechender Blick später untergehen sah über seinem unglücklichen Vaterlande.

Daß dies möglich gewesen! Wie konnte der herrlichste Kampf im Angesichte der gesitteten Welt so entsetzlich endigen? Wie durfte so Großes so schmählich untergehen? – Doch Polens Geschichte ist noch nicht aus. Es kommt ein Tag, da ruft die jauchzende Welt: „Gerechter Gott!“

Was soll ich über Kosciusko sagen? – Bis zum Höchsten, was die Menschheit ehrt und die Geschichte preist, hat die Schlange der Verleumdung sich kriechend und schleichend hinaufgewunden, um es mit ihrem Gift zu bespritzen. Ich nenne unter tausend Zeugen Demosthenes und Scipio, Seneca und Sokrates, Washington und Kossuth. Kosciusko’s makellose Tugend allein hat selbst die Bosheit entwaffnet; sie nahm der Verleumdung