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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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Die Paulskirche ist den Priestern zurückgegeben, von ihren Wänden sind die Symbole der deutschen Nation verschwunden, fortgenommen sind die dreifarbigen Banner aus dem Tempel und die Wogen der Zeit rollen über das Grab so vieler Volkshoffnungen schon sechs ganzer Jahre hinweg. Wer könnte daran denken, ohne Erinnerungen aufzufrischen, die das Blut rascher durch die Adern treiben, und wer sähe nicht mit Schmerz und Scham auf den Schauplatz hin, wo so mancher brave Mann ein Märtyrer seiner Ueberzeugung wurde, und wo so Viele ein leichtfertig oder treulos Spiel getrieben haben mit dem Heiligsten. Was ist geworden aus diesen Boten des deutschen Volks, hergesendet als Träger und Bewahrer seiner Hoheit, daß es aufrichte den starken Bau seiner Herrlichkeit, seiner Größe und seines Glücks? Vielen hat der Gram das Herz gebrochen, viele verbargen ihre Schande in der Dunkelheit, andere sind froh, daß ihrer das Volk vergessen; viele tragen die Schleppen der Macht als deren demüthigste Diener, und Manche von Denen, die es redlich meinten, schlummern in den Standrechtsgräbern, seufzen in den Kerkern, oder irren in der Fremde umher, um dem Henker zu entgehen, welcher ihre Namen an den Galgen schlug. – Schauerlicher Wechsel!
Weder die Völker noch die Fürsten haben bei demselben gewonnen. Vieles, was in Einigkeit seit Jahrhunderten verbunden war, ist getrennt, die Liebe ist zum Haß geworden, und was man Frieden nennt, das ist, nach Innen wie nach Außen, nicht viel besser als permanente Kriegsbereitschaft. Gewalt steht an der Stelle des Rechts an manchen Orten, und eine eidbrüchige, heuchlerische und grausame Politik lacht in manchen Ländern den Pflichten der Milde, der Menschenliebe und des Christenthums Hohn. Das böse Beispiel verdirbt die Sittlichkeit in den unteren Kreisen. Heuchelei gebiert den Unglauben, der Lügengeist beherrscht die Menschen, die Widerlichkeit saugt dem Volksleben die Säfte aus und macht Propaganda für Entmannung und Stumpfsinn. Manches Volk
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 77. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/82&oldid=- (Version vom 5.10.2025)