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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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fremde Nationen in die Knechtschaft schlagen, so forderte er von deutschen Fürsten, als wären sie seine Vögte, die Söhne ihrer Länder, und wo immer sein Adler sich niederließ, um Völker zu zerfleischen, da waren auch die deutschen Kontingente, um seine Schlachten zu schlagen und fremdes Land mit ihrem Blute zu düngen. Zu Dank konnte es dem Korsen dennoch Keiner machen. Er nahm morgen wieder, was er heute gab, und verschenkte Kronen waren ihm feil wie Trödelkram. Als Preußen, bevor es selbst in das Joch ging, den Kampf wagte um seine Selbstständigkeit, als Oesterreich Gut und Blut zweimal daran setzte, um sich des Drängers zu erwehren, da schickten die Rheinbundfürsten ihre Kriegerschaaren gegen Preußen und Oesterreich, – Deutsche gegen Deutsche, – und nach gewonnenen Siegen schämte sich Keiner, seinen Theil von der schimpflichen Beute zu nehmen. Als endlich sogar auch Preußen und Oesterreich an Napoleons Triumpfwagen zogen, da sollte auch Rußland eingespannt werden. Abermals wurden 200,000 Deutsche, die Blüthe der Jugend, zur Schlachtbank geliefert und ihre Gebeine bestreuten die russischen Steppen von der Weichsel bis zur Wolga. Aber jetzt war der Herr der Welt des Quälers und Drängers müde, welcher die Völker seiner Erde wie Sklaven mißbrauchte. Der alte Jehovah reckte seine Hand aus gegen den Heros, – das flammende Moskau ward die Grenzmarke seines Weltzugs und im russischen Eise erstarrte des Riesen Kraft. –
Es riefen nun die Fürsten, des Joches und der Schande selbst übersatt, die deutschen Stämme an, daß sie sich erhöben, um sie zu befreien und die fremden Horden vom deutschen Boden zu vertreiben. Und das Volk ließ sich’s nicht zweimal sagen. Auf stand’s wie Ein Mann und brachte Gut und Leben zur Befreiung dar. Herrlicher ist nie eine Erhebung gewesen und nie hat sie einem reinern Zweck gegolten. Mit Gott zogen wir Männer aus von Nord und Süd und West und Ost – ein Gefühl, eine Idee, eine Begeisterung glühte in allen Seelen, und wo Deutsche zusammentrafen – da schlugen die Herzen in Bruderliebe zusammen. Zum Ersten Male seit zwei Jahrtausenden fühlten sich alle deutschen Stämme Eins – Ein Volk. Und von Schlachtfeld zu Schlachtfeld zog es, und von Sieg zu Sieg stürmte es vorwärts zwölf Monden lang, bis seine Fahnen wehten auf den Thoren von Paris, dem neuen Babel, welches Napoleon die Hauptstadt der Welt genannt hatte. Gebrochen lag das Eisenband, das geschmiedet war um so viele Völker. –
Und die Völker jubelten und dachten an nichts als an Glück und Freiheit. „Das war ein Gottesgericht!“ – riefen die Fürsten; und überwältigt von der Größe des Geschehenen gelobten sie feierlich, hinfort ihre eigene Freiheit und ihr eigenes Glück in nichts Anderem zu suchen als in der Freiheit, der Liebe und dem Glücke ihrer treuen Völker. – –
„Wenn der gute Engel sein Nest baut, legt der Teufel sein Ei hinein“, sagt ein altes Sprüchwort. – In Wien saßen nach der Abdankung Napoleons und nach geschlossenem Frieden mit Frankreich die europäischen Fürsten
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 80. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/85&oldid=- (Version vom 5.10.2025)