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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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zu bekämpfen. Wirklich gab es damals Regierungen, die es ehrlich mit dem Entgegenkommen auf halbem Wege meinten und die Nation hielt sie hoch. Wie athmete man auf in jenen Tagen! wie innig schlossen sich da und dort Volk und Fürsten an einander und wie glücklich fühlten sich beide der gesetzlich fortschreitenden organischen Entwickelung zu besseren Gesellschaftszuständen! Wo dies Verhältniß Statt fand, war man befriedigt. Man wünschte nichts weiter, als den Fortschritt zum Bessern an der Hand der Regierungen.
Unter diesen Regungen, Hoffnungen und Wünschen war das Jahr 46 verflossen. 47 kam. Deutsches Volksbewußtseyn hatte starke Wurzeln getrieben; es sproßte und knospete. Da geschah Etwas, unerwartet, wie ein Blitz aus wolkenleerem Himmel, der in die Geister fuhr. Ein Kirchenfürst, angethan mit apostolischer Kraft und von dem edelsten Willen geleitet, erhielt die dreifache Krone. Pabst Pius IX. öffnete die Gefängnisse, die sein Vorgänger mit den Opfern einer finstern Politik gefüllt hatte, er rief die Vertriebenen aus dem Exil, er schrieb mit wunderbarer Großherzigkeit die Nationaleinheit Italiens in sein Programm, und Italiens Volk erhob sich, es zu verwirklichen. Noch einmal, so schien es, sollte vom Kapitol die Herrschaft der Welt ausgehen, – keine Herrschaft des Schwertes, wie die des alten Roms, sondern eine geistige, alle Völker beglückende.
Und die Welt erglühte in Sympathie: – „Eviva Pio Nono!“ – jubelte jedes Herz, jedes war voll von Hoffnungen. „Die neue Zeit ist angebrochen“, sagte Einer dem Andern. Am tiefsten, vielleicht, war der Eindruck in Deutschland, weil da das Mitgefühl am wärmsten. Der Vergleich lag so nahe! Dieselbe Zerstückelung, dieselbe Schwäche, dieselbe Zerfahrenheit, dieselbe Hülflosigkeit nach Innen wie nach Außen, dieselbe Sehnsucht nach Einigung. Kein Wunder, daß die Gefühle, welche den deutschen Volksgeist durchdrungen, da und dort überschäumten; kein Wunder, daß die Fürsten, unwillig, den langsamen, organischen Weg des Fortschritts zu verlassen, und von den oft stürmischen Wogen der Volkswünsche bedrängt, sich beunruhigt fühlten. – Jede Regierung ging nun ihren eigenen Weg. Manche setzten dem ungestümen Drängen schroffe Negationen entgegen: z. B. in Kurhessen und Oesterreich. Andere kokettirten mit den Wünschen nach Freiheit und Selbstregierung; noch andere suchten durch zögerndes Nachgeben zu befriedigen. Keine aber faßte die Erscheinung in der Größe ihrer Bedeutung auf, keine ergriff mit klarer Einsicht und mit starker Hand die Zügel, nicht um zurückzuführen oder zu unterdrücken, sondern um zu mäßigen und zu lenken. So endigte das Jahr 47 und das folgende begann unter wachsender Bewegung, unter den Symptomen naher Stürme.
So war die Lage, als der Februarblitz plötzlich in das schulderfüllte Haus Ludwig Philipps schlug. Drei Tage rang das Volk mit der königlichen Gewalt den blutigen Kampf: der Preis war – die Republik.
„Die Schrecken des Todes haben die Monarchie überwunden“, sprach der Erzbischof von Paris, als die Gefallenen der Freiheit in’s Todtengewölbe hinabgesenkt wurden. Und diese Worte hallten wieder in den Bergen
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 82. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/87&oldid=- (Version vom 5.10.2025)