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Breite dahin. Der Zauber, den die Ideen auf die Geister und die Ueberzeugung üben, verschwand mehr und mehr; hohle Worte beherrschten das Haus, und die zahllosen Redner, welche bei jeder Frage für und wider auftraten, ohne Kraft und Fähigkeit, der Frage eine neue Seite abzugewinnen, fraßen die kostbare Zeit. Die Regierungsgewalten waren durch die Aktion des Parlaments, das, in vielen Ländern mit mehr Ostentation als Takt, bei jedem Anlaß sein Souverainitätsrecht im Munde führte, paralysirt; die Ereignisse diktirten eine centrale Leitung und ein Beschluß des Parlaments übertrug solche einem Prinzen aus dem Hause Habsburg. Erzherzog Johann wurde am 29. Juni als Reichsverweser gewählt. Ein verhängnißvoller Akt! Ein Oesterreicher an die Spitze der Reichsgewalt gestellt, während die Verhältnisse Oesterreichs selbst so verwirrt und schwierig geworden waren, daß man fast an Wunder glauben mußte, wollte man an die Möglichkeit denken, wieder Ordnung aus solchem Chaos zu schaffen. In Wien und in den deutschen Landen war die Revolution siegreich, in Italien der Aufstand Herr, Ungarn in voller Empörung, alles slavische Land in Gährung; Sardinien schrieb, mit erhobenem Schwerte, die Einheit Italiens auf sein Schild; der Habsburger Hof selbst war ein Flüchtling in seinem eigenen Reiche. Unter diesem Wirrsal zog Erzherzog Johann in Frankfurt ein, – des neuen Deutschlands unverantwortliches Oberhaupt! – Es war ein neuer König Johann ohne Land: aber auch ohne Geld, ohne Soldaten, ohne Macht; der Zauber persönlicher Ehrenhaftigkeit und Liebenswürdigkeit glich diese Mängel nicht aus! Wenn man damals das Schwert Preußens zum Exekutor des parlamentarischen Willens gemacht hätte – wie wäre es dann geworden? –

Schon bei ihrem ersten Akt erfuhr die Reichsgewalt, den Regierungen gegenüber, Widerstand, und –sie ließ sich solchen gefallen. Die Forderung der Huldigung von allen deutschen Heeren wurde von den kleinern mit Mißtrauen empfangen, von den größern sogar abgelehnt. Die Huldigung der preußischen Armee wurde geradezu verweigert; in Oesterreich blieb die Verfügung der Centralregierung gänzlich unbeachtet. Vergeblich denuncirte die demokratische Partei im Parlamente einen solchen Widerstand als unleidliche Auflehnung. Der Reichskriegsminister selbst vertheidigte die Renitenten und die Majorität des Parlaments – sie fand sich zufriedengestellt! Eben so schwach zeigte man sich in den Beziehungen zum Auslande. Das Reichsoberhaupt schickte Gesandten und bevollmächtigte Minister; die meisten wurden mit Geringschätzung empfangen und mit Kälte behandelt. Man wagte nicht einmal dagegen diplomatische Reklamationen. So trat die Centralgewalt in’s europäische Daseyn schwach wie ein neugeborenes Kind.

Ein Verfassungsausschuß, Dahlmann an der Spitze, hatte unterdessen den Entwurf der Grundrechte des deutschen Volks vollendet. In und außer dem Parlamente war die Ungeduld schon lange laut geworden. Dennoch dehnten sich die Debatten beständig bis zum Uebermaß aus. Die Sündfluth der Anträge und Amendements schwoll bei jedem Paragraphen; Keinem ging es in den Kopf, die geringste Abweichung seiner persönlichen Auffassung den allgemeinen und höheren Zwecken unterzuordnen. Es wurden zu den Grundrechten 350 Aenderungsvorschläge eingereicht.