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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band | |
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auf der Pfingstweide, brach er los. Das friedliche Frankfurt bedeckte sich mit Barrikaden. Aber die starke Garnison war vorbereitet – Kanonen schmetterten die Kampfgerüste der Republikaner nieder, ein Kartätschenhagel zerstreute ihre Schaaren, und am andern Morgen konnte die Militärmacht die Majorität in der Paulskirche mit der Versicherung erfreuen: „l’ordre regne à Varsovie!“
Durch den Septemberaufstand war der Bruch der Nationalversammlung mit der Revolution entschieden, und ihre Unfähigkeit zur gedeihlichen Lösung ihrer Aufgabe weltkundig geworden. Das Schwert, mit dem sie den Volksaufstand niedergeschlagen hatte, hing fortan als Damoklesschwert über ihrem eigenen Haupte. Sie hatte gleichsam den Arm erhoben gegen ihre Mutter; sie hatte sich selbst von der Quelle ihrer Macht losgesagt; fortan sah die Nation in der Majorität des Parlaments nur noch das Werkzeug der Reaktion. Die Debatten im Parlamente verloren die Theilnahme des Volkes in demselben Maße, als seine Hoffnungen auf die Versammlung selbst gesunken waren. Sie arteten bald in ein erbittertes Parteigezänk aus, unerquicklich für den Beobachter und ohne Würde und Ehre für die Betheiligten. Das Vertrauen war begraben, der Glaube auf einen guten Ausgang war untergegangen bei allen Besonnenen.
Das Leben des Parlaments nach dem 18. September erscheint wie das eines kranken Mannes, den die Aerzte aufgegeben haben. Die weiteren Scenen in der Paulskirche – so geräuschvoll und heftig auch viele waren, – änderten doch an dem nothwendigen Ausgang Nichts, so wenig wie die Paroxismen einem Fieberpatienten helfen können, der dem Tod geweiht ist. Das Parlament, zum Spielwerk der Rivalitäten und Intriguen der Parteien herabgesunken, verfolgte seinen Lauf zum Untergange fortan wie ein Wrack, das, ohne Selbstbestimmung auf den Wogen dahin treibt, bis es der Klippe begegnet, an der es zerschellt. – Ich kann mich kurz fassen, die Agonien eines Sterbenden zu schildern. Die Kaiserwahl, die Fahrt der Parlamentsboten mit der papiernen Krone nach Potsdam, – ihre von dem Verbot der deutschen Fahnen begleitete Aufnahme in Berlin – der königliche Korb – die Sendung der Parlaments-Kommissäre in das Hauptquartier des Windischgrätz und nach Olmütz – der schauerliche Ausgang der Theilnahme einiger Parlamentsglieder am Wiener Kampfe für Freiheit und Verfassung, – Blums Todtenfeier, – die Intervention der Centralregierung bei dem Kampfe der Reaktion des Berliner Hofs gegen die preußische Nationalversammlung: – sie waren eben so viele offenkundige Niederlagen für Frankfurt und zeigten die Mißachtung der Autorität des Parlaments von Seiten der größeren deutschen Regierungen. Die Exekutive der Nationalversammlung ihrerseits hüllte sich in völlige Thatlosigkeit und sank nach und nach zum bloßen Schatten herab. Das Jahr 1848 war noch nicht zu Ende, und bereits war die deutsche Fahne in Oesterreich verpönt, und österreichische Volksboten, die in der Paulskirche von deutscher Einheit und Freiheit gesprochen hatten, mußten fürchten, beim Wiederbetreten des österreichischen Bodens standrechtlich erschossen, oder in die Kasematten des Spielbergs geworfen zu werden. –
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1854, Seite 91. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_16._Band_1854.djvu/96&oldid=- (Version vom 6.10.2025)