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Die Geburt der Grundrechte zu Ende des Jahres war eine schwere Geburt; sie wurde von der Nation mit Kälte empfangen. Das Kindlein siechte seit dem ersten Tage. Die größern Höfe versagten den Grundrechten die Einführung. Als das Parlament die Spielbanken aufhob, deren Abschaffung die öffentliche Meinung gebieterisch gefordert hatte, legten die Regierungen Protest ein, und als die von den Habsburg’schen Maßregeln bis auf’s Aeußerste gereizte Versammlung sich von Oesterreich ganz abwendete, und Ein Deutschland ohne Oesterreich proklamirte, so erklärten Oesterreichs Volksboten, daß sie ihr vom Volke erhaltenes Mandat höher achteten, als die Vernunft- und rechtswidrigen ohnmächtigen Beschlüsse der parlamentarischen Majorität; sie wollten auf ihren Sitzen in der Paulskirche bleiben und nur der Gewalt weichen. So weit war es gekommen im Schooße der Versammlung, welcher das deutsche Volk seine Rechte, seine Erwartungen und Hoffnungen auf einheitliche Große, Würde, Macht, Glück und Freiheit anvertraut hatte! Die nun herannahende letzte Periode des parlamentarischen Daseyns war für das deutsche Volk eine Periode des tiefsten Leids. Die letzten Akte der großen Bewegung haben uns nichts hinterlassen, als Schlachtfelder, Standrechtsgräber, gefüllte Kerker und die langen Züge der Männer, welche das Exil in der Fremde der Verfolgung im Vaterlande vorzogen. Die Reichsverfassung selbst, das Kind eines Kompromisses zwischen unversöhnlichen, machtlos gewordenen Parteien, war, ähnlich den Grundrechten, todt geboren und der Aufruf des Parlaments an das Volk, sie gegen die allgewaltig gewordene Reaktion zu vertheidigen, vergrößerte bloß die Verwirrung, und beschleunigte durch ihre Folgen, die besiegten Aufstände in Baden und Sachsen, den Untergang des Parlaments und der Revolution. Verzweifelnd rief der alte Arndt, noch auf der Schwelle der Paulspforte stehend: – „wir sind im vierten Akte; bald fällt der Vorhang. Aber das Stück ist noch nicht aus; – wann wird er zum fünften aufgezogen werden? Man wird mir entgegenschreien: was prophezeihst du alter schneeweißer Rabe? Vermagst du Königen und Fürsten mit dem fünften Aufzug zu drohen? – Nein! nein! Ich drohe nicht; ich weissage ganz still und ruhig. Meine Füße stehen im Grabe, meine Augen werden hinter dem fünften Aufzug nichts Irdisches mehr sehen. Ich drohe mit keinem Zeichen; sondern der Alte der Tage, Gott, drohet mit dem seinigen“.

Am 30. Mai 1849 war die letzte Sitzung des Parlaments in der Paulskirche; ihre Pforten wurden geschlossen und auf Vogts Antrag siedelte die Versammlung, aus kaum noch hundert Männern bestehend, – (die Uebrigen hatten sich beeilt, das lecke Schiff zu verlassen, oder waren dem Abruf der Regierungen gefolgt) – nach Stuttgart, nicht mehr, um zu siegen, denn dafür war längst jede Chance dahin, sondern um mit Ehren unterzugehen. Auch diese Absicht hat das unerbittliche Schicksal dem „Rumpfparlamente“ verkümmert. Was im Kaisersaale zu Frankfurt so groß und so hehr, ausgerüstet mit der Allmacht, welche der Wille der größten Nation verleihen konnte, angefangen hatte, das endigte in Stuttgart, wie ein loser Kravall, durch den Stock der Polizei und den Säbel der Gensdarmen. –