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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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jährlich Ball, und selbst ein Kalvarienberg mit den Figuren der Gekreuzigten versammelt zeitweilig Andächtige sogar im unterweltlichen Reiche des Leibhaftigen.
Das einzige animalische Leben in dieser ewigen unterirdischen Nacht ist ein seltsames, aber wunderbar schön gebildetes Thierchen, spannengroß, halb Fisch, halb Eidechse, das die Gewässer der Höhle bewohnt.
Wir stehen wieder einmal an einer Pause des hundertjährigen Streites, den zwei unversöhnliche Principien, welche das östliche vom westlichen, das slavische vom romano-germanischen Europa scheiden, das konservative und agressive Princip, gegen einander kämpfen. Es ist ein Kampf, der mit der vollständigen Niederlage des einen oder des anderen und mit der unbestrittenen Herrschaft des Siegers über Europa enden muß. Eitle Parteilichkeit hat ihn einen Kampf der Barbarei gegen die Civilisation genannt, und kurzsichtige Ausleger der Geschichtsräthsel wollen in ihm die Vollstreckung eines politischen Testaments erkennen, das aus dem Kopf eines großen Mannes stamme und in der Herrscherfamilie der Romanow erblich sey. Beide verwechseln die äußere Erscheinung mit dem inneren Wesen. Die barbarische Sitte, Krieg und Blutvergießen, sind nur die Blitze, die sich bei’m Zusammenstoß feindlicher Elemente entladen, und das politische Vermächtniß eines Despoten ist bloß der Wegweiser, der dem innern Bewegungsdrang einer jungen, ungestümen Kulturentwickelung die Richtung anzeigt. Es ist der natürliche und berechtigte Zug im Charakter eines auf dem Kulturweg vorwärts drängenden Volkes, seiner Kraftentwickelung Raum zu schaffen, und nach Thaten zu verlangen. Die Ziele aufstrebender Völker liegen immer außerhalb; nur eine ältere, fertige, abgeschlossene Kultur findet Befriedigung in sich selbst und sorgt bloß noch für Erhaltung und Fortbildung des eigenen selbstgeschaffenen Werks. Sie fürchtet und scheut jede Störung von außen im Genuß ihrer einmal erfaßten Ziele; ihr wesentlichstes Interesse ist beständig das der Stabilität. Solcher Art aber ist die westeuropäische Kultur. Offen bekennt sie, daß die Politik ihrer Träger, der geistigen und weltlichen Machthaber, auf Selbsterhaltung allein gerichtet sey. Sie kann nicht anders. Die materielle Kraftentwickelung hat ja längst ihren Höhepunkt überschritten, der Vegetationstrieb, welcher neue Zweige aus dem Stamm wachsen läßt, ist längst erstorben, die überlebende Kraft geht im Reifen der Früchte auf und in der Erhaltung der alten Aeste, die er zum
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 94. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/102&oldid=- (Version vom 13.11.2025)