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eigenen Schutze ausstreckt. In jenen jüngeren Kulturstämmen hingegen, die viel später die Völkerwiege Asiens verlassen haben, als die germanischen und romanischen Raçen, und welche jetzt das slavische Reich ausmachen – in diesen wuchert der Trieb und Saft zum Wachsen noch in voller Kraft, und die Entwickelung von schlummernden Kulturelementen ist unaufhaltbar. Es ist eben so falsch, die Eroberungslust im Slavenreich auf Rechnung des Barbarismus zu stellen, als wenn man den Geist der römischen Republik, Alt-Englands oder des heutigen Amerika’s, welche die großartigsten Länder-Erwerbungen zur Basis ihrer Entwickelung gemacht haben, mit der Civilisation unverträglich nennen wollte. Jede Nation, wie jedes Individuum muß ihr materielles Wachsthum bis zu dem Maß fortgehen lassen und fördern, welches seinen Lebenszielen dient, jedes Volk muß den Raum gewinnen, den es zu seinem Wirken und Schaffen als Schau- und Tummelplatz braucht, und wo es Schranken findet, da muß es Schranken brechen.

Wir, die Friedfertigen, sind freilich übel d’ran, wenn der Nachbar sein Haus erweitern will und versucht, uns das Dach abzudecken und die Wände einzureißen. Sind sie morsch und baufällig, so hilft es nichts, daß wir sie mit unsern Armen zu schützen suchen. Wollen oder können wir nicht neu bauen, so thut es der Nachbar – und wollen wir nicht bei ihm zur Miethe wohnen, so müssen wir weiter ziehen. Der wilde Bergstrom, der sich in’s Thal ergießt und den der schmelzende Schnee angeschwollen hat, fragt auch nicht nach den blühenden Kulturen an seinen Ufern, wenn er über die Dämme bricht, die Ernten niederreißt und Fruchtbäume entwurzelt. Er erfüllt seine Bestimmung zu verwüsten und die Keime größerer Fruchtbarkeit auf dem Schauplatz seiner Zerstörung zurück zu lassen. Es walten physische Gesetze im großen Kulturleben, die aller Völkerrechte, Staatsverträge und Menschensatzungen spotten. Wenn das dürre Reiß und die reife Frucht mit dem grünen Stamm einen Vertrag schließen wollten, sich nie von ihm zu trennen, der Wind bräche sie doch; wollte die Luft mit der Erde paktiren, daß kein Hagelschlag mehr auf die Saaten fallen solle; die wetterschwangeren Wolken würden sich doch entladen. Eben so unmöglich ist’s, daß zwei so verschiedene Kulturleben, wie das ost- und westeuropäische, Hand in Hand mit einander gehen und in dauerndem Frieden dasselbe Haus bewohnen.

Peter der Große, der Organisator des jetzigen Slavenreichs und der Apostel seiner Politik, war der Erste, in dem das instinktmäßig treibende Verlangen nach Weltherrschaft im Russenvolke zum Selbstbewußtseyn kam, die zerstreut liegende Kraft sammelte und auf eine Bahn führte, der Erste, der in raschen Erfolgen dieses Volk dem vorgesteckten Ziele näher brachte. Peters großer Geist hat diejenigen Elemente der westeuropäischen Civilisation klar erkannt, welche ihr ein Uebergewicht über die rohe Kraft verliehen und er hat diese Elemente seinem Staatsgebäude eingeflochten, während er sorgsam bemüht war, fern zu halten Alles, was korrumpirend und zersetzend auf dessen Organismus einwirken konnte. Peters verständiger Wille hat seinem Reiche nur die Früchte