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Schildwachen; dazwischen das schrille Krächzen der Seemöven, welche schaarenweise dem Dampfschiff folgen; aber keine Spur von dem bunten Treiben und freien Leben eines Handelshafens. Die ganze Erscheinung deutet nur auf das Eine hin – auf den Krieg.

Doch bald thut sich ein anderes, freundlicheres Bild auf. Bei einer Wendung des Dampfers um ein Felseneiland fällt plötzlich der Blick auf den Hafen von Helsingfors. Das ist ein gar herrlicher, überraschender Anblick. Wer erwartet in diesen Riffen ein zweites Petersburg zu finden? Amphitheatralisch steigt es empor, in jenen weitgedehnten Bauten des imponirenden Petersburger Styls, der die italienische Palastarchitektur und den berliner Kasernengeschmack in sich vereinigt und es auf eure Wirkung durch Massenhaftigkeit und Dekoration abgesehen hat. Jene kolossale Gleichmäßigkeit und Uniformirung, welche alle russischen Staatsschöpfungen charakterisirt, findet man auch hier ausgeprägt, und man wird inne, daß der siebenköpfige Cerberus eine köstliche Perle der Czarenkrone zu hüten hat, die er sicherlich nur aus Vorsicht in den öden Klippen bewahrt.

Ueber einige Prachtgebäude erheben sich die grandiose Kuppel eines griechischen Domes, die Fronte des Palastes vom Generalgouverneur, die Sternwarte. Man glaubt das Leben und Treiben einer Stadt, wie Petersburg müßte dahinter stecken. Doch ist’s nicht so. Die Bevölkerungsliste zählt nur 16,000 Einwohner auf; in den langen, geradlinigen und breiten Straßen begegnet man wenigen Menschen und kaum stört ein rasselnder Wagen die feiertägliche Stille der Stadt, wenn nicht gerade die Mittagsstunden die elegante Welt an den Hafeneingängen versammeln und dann sind unter Sechsen gewiß Fünf in die russische Uniform gekleidet. Im obersten Stadttheil liegt der Senatsplatz, auf dem sich die Petersburger Häuserpracht so recht entfaltet, zugleich auch die Grenze zwischen dem alten finnischen und dem heutigen russischen Helsingfors. Die eine Seite des Platzes nimmt das imposante Senatsgebäude ein, gegenüber ist die Universität; an der dritten Seite die prachtvolle Nikolaikirche mit granitenen Säulen und Stufen und blauemaillirten, von goldenen Sternen besäeten Kuppeln; den Schluß bildet das Rathhaus zwischen eleganten Privatgebäuden.

Zur Zeit als Finnland noch unter Schweden und selbst noch im Anfang der russischen Czarenschaft sich als selbstständiges Großfürstenthum behauptete, residirte der regierende Rath in Abo, der uralten Hauptstadt des Landes. Damals hatte er fast souveräne Macht. Als Finnland völlig mit Rußland vereinigt wurde, erließ der Czar ein Manifest, welches dem Land die Erhaltung der lutherischen Konfession, seiner Gesetze und Gerechtsame und ursprünglichen Institutionen für ewige Zeiten zusicherte. Das war aber platter Spott, denn der regierende Rath durfte sich nie wieder versammeln und es regierte für ihn fortan nur ein kaiserlich-finnischer Senat. Im Jahre 1825 wiederholte Nikolaus seines Bruders meineidiges Wort. Wenige Jahre später stellte er einen Generalgouverneur russischer Abkunft über den Senat und versetzte ihn aus der alten Landeshauptstadt nach