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der Festung Helsingfors; bald folgte die finnische Hochschule nach, die seit zwei Jahrhunderten in Abo als Pflanzstätte der Bildung und freien Wissenschaft für den ganzen skandinavischen Norden geblüht hatte und nun die russische Uniformirung der Professoren und Studenten, die Einschränkungen in der Zahl der Fakultäten und der Lehr- und Lernfreiheiten etc., welche das russische Reglement vorschrieb; fünfzig epaulettirte Professoren unter dem Oberkommando eines Generallieutenants der Infanterie bilden gegenwärtig den Generalstab, der ein blau gekleidetes Studenten-Regiment von 500 Mann in fünf Hörsälen und einer Klinik einexercirt, um alljährlich in der Aula ein Parade-Manöver zu exkutiren und nach einer gewissen Reihe von Semestern wohl dressirte Werkzeuge für die große Staatsmaschine des Reichs zu liefern.

Helsingfors ist die eigentliche Impfpocke, durch die Finnland mit dem Russenthum inficirt wird. Wer ein Ziel will, muß die Mittel wollen und die Energie, Rücksichtslosigkeit und Willenskraft, mit der Rußland seine Mittel wählt, sind ihrer Erfolge gewiß. Das jetzige Helsingfors hat keine historische Erinnerung, die über 100 Jahre zurückgeht. Gustav Wasa hatte die Stadt eine Meile weiter nördlich angelegt, aber ihr Hafen versandete und die Bürger zogen herunter nach dem wohlgeschirmten Fjord. Die neue Ansiedelung erlag den verheerenden Kriegen, dem Hunger und Feuersbrünsten. Erst nach dem Frieden von Frederikshaven ist’s russisch wieder auferstanden, in seiner jetzigen Uniform. Nur landeinwärts ziehen sich ein paar kleine Quartiere alten finnischen Gepräges; krumm, winkelig, die langen niederen Gebäude in braunem Theeranstrich, schmucklos, aber glänzend von Sauberkeit. Hier in ein Haus zu treten, verlohnt wohl der Mühe. Gastfreiheit gehört mit zu den alten löblichen Sitten, an denen der Finne unverbrüchlich festhält; er redet nicht russisch, wenn er nicht muß, sondern am liebsten seine eigene schöne Sprache, oder schwedisch und deutsch. Sitteneinfachheit und strenge Sparsamkeit charakterisiren bis in die höheren Stände das Hausleben des Finnländers und ermöglichen jene allgemeine Wohlhabenheit, die auch auf dem flachen Land so segnend auf Kultur und Gesittung wirkt. Durch das ganze Haus, dessen Anordnung ausschließlich weiblicher Hand überlassen bleibt, waltet ein stiller, wohlgeordneter Geist; grünes Tannenreißig deckt eine glänzendweiße Diele, gebohnte Truhen und Schränke sind mit solidem Hausrath angefüllt, im weiten Schaukelstuhl am großen Mauerofen wiegt sich der Herr des Hauses, und für Familie, Gesinde und Gäste sind breite Bänke ringsum an der Wand angebracht. Im Verkehr unter sich und mit Fremden gilt noch eine altmodische Rang- und Standesverehrung, die ihrer Form nach weit in’s vorige Jahrhundert zurückreicht und die Etiquette unserer abgelegenen Landstädtchen noch an Strenge und Steife übertrifft. Es tritt diese Förmlichkeit namentlich da auf, wo das Russische sich der Gesellschaft bemächtigt und macht, daß das fremde Element keine Anknüpfung findet. Gesellschaftslokale, Theater, Kurhäuser sind in Helsingfors in großer Pracht vorhanden, werden aber nur von den russischen Militärs und Beamten besucht und bieten deshalb eine traurige Unterhaltung. Selbst von den eleganten Kaufläden der neuen Stadt und