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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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daß das Beispiel einer auf neuen Grundlagen ruhenden staatlichen Entwickelung gegeben werde, auf daß durch ihn die Probleme der neuen Zeit, die großen gesellschaftlichen Fragen, gelöst werden, auf daß von ihm aus die Blitze der geistigen Erlösung nach der alten Welt hinüber zünden und die Fesseln zerschlagen, in denen dort die feudalen Gewalten und bigotter Glaubenszwang noch die Entfaltung des Menschengeistes gebunden halten; und wenn das Werk der Erlösung vollbracht ist und die befreiten Nationen sich die Bruderhand über der Stätte ihrer Zwingburgen reichen, dann ist’s die offenbare Bestimmung Amerika’s, den Vor- und Ehrensitz im Völker-Kongreß zu führen und das theure Kleinod der Freiheit zu hüten vor allen Gefahren, die im Schooße der Zukunft verborgen seyn mögen.
Diese Wege seiner Bestimmung geht Amerika raschen und großen Schritts. Jede seiner kurzen Regierungs-Epochen erwirbt ihm neue Staaten und weite Länderstrecken, aber seine Eroberungen hinterlassen nicht so blutige Spuren, wie die Raubzüge der Könige. Die nordamerikanische Politik ist nicht der Sturm, der gewaltsam die Frucht von des Nachbars Zaune bricht, sondern der Sonnenschein, der sie reift und selbst in ihren Schooß fallen läßt; sie schickt Heere von Kolonisten statt Soldaten, die blanke Pflugschaar ist ihre Waffe, Dampfessen sind ihre Batterien und blühende Ansiedelungen ihre Trancheen. Sie setzt zuvörderst den Hebel der Kultur an, statt den der Gewalt, überredet durch die Erfolge des bürgerlichen Fleißes, theilt freigebig die Früchte einer höheren Gesittung mit und bahnt sich durch ihre Achtung vor dem Gesetz den Weg zur Sympathie ihrer Nachbarn. Mit Sorgfalt verpflanzt sie die gährenden Elemente der eigenen treibenden Kraft in die trägen Massen der fremden Bevölkerung, pflegt so die ausgestreuten Keime der Liebe zur Freiheit und Lust, um der vollen Segnungen ihrer eigenen Civilisation theilhaftig zu werden und erst, nachdem der Zweig so weit erstarkt ist, daß er es wagen darf, sich von seinem Stamme zu emancipiren, sich loszukaufen oder gewaltsam zu trennen, erst dann hält sie die Arme auf, ihren Pflegling im eigenen Haus zu empfangen.
Texas ist eine Frucht dieser Politik. Sie that wie sie in Louisiana zuvor gethan, wie sie in Oregon, Kalifornien, Neu-Mexiko nachher that, und wie es in Kanada, Kuba und Nicaragua zunächst geschehen wird. Dieselben rastlosen Kräfte, die kühnen Pioniere amerikanischer Kultur und amerikanischen Staatenbaues, die das schöne Land am mexikanischen Golf aus der Gewalt roher Despoten und finsterer Pfaffenherrschaft erretteten und auf die Basen einer freien Entwickelung, der Blüthe, der Macht und des Glücks seiner Bewohner führten, dieselben muthbeseelten Männer, die von da nach dem Kolchis am stillen Meere auszogen, das goldene Vließ zu holen und den strahlenden Stern von Kalifornien in’s Banner der Vereinigten Staaten zu sticken, dieselben rauhen Gesellen sind’s, die in Westindien und Mittelamerika neue Ziele und neue Gefahren suchen. Flibustier, Abenteurer, Piraten schilt sie der Philister; aber es sind die vom Drang der „Manifest destiny“ am weitesten Getragenen, und wenn ihr Blut
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 106. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/114&oldid=- (Version vom 14.11.2025)