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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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zur beständigen Quelle des Erwerbs zu machen; sein Interesse ist innig mit der wachsenden und dauernden Prosperität des Landes verknüpft. Der Sklavenhalter hingegen ist, wenigstens jetzt noch, nur Spekulant im Landbau; er trachtet, in kürzester Frist die Strecken rohen Bodens, welche er für ein Weniges erwirbt, durch Sklavenarbeit in einen werthvollen Gegenstand der Spekulation umzuschaffen, setzt sie in kulturfähigen Stand, gibt ihnen ein Schock schwarzer Arme bei, sucht einen Käufer und zieht stilles Weges weiter, um anderen Orts dasselbe Geschäft zu wiederholen. Auch sein Käufer betrachtet die erworbene Plantage als Geschäft, das ihn in kurzer Zeit bereichern soll, um es sodann mit Vortheil weiter zu veräußern. Es liegt in der Natur der Sklavenwirthschaft, daß sie nicht den Mann dauernd an den Besitz fesselt, den er geschaffen. Es fehlt ihr das Element der Verwandschaft, in die der freie Arbeiter zur selbstgepflügten Scholle tritt. Dort steht der Sklav zwischen dem Herrn und der freundlichen Natur, die ihr Füllhorn vor ihm ausschüttet; dem freien Arbeiter reicht sie ihre Gaben in die eigene Hand; dieser gewinnt die Erde lieb, auf der er seinen Schweiß vergießt; jener aber schätzt sie nur noch nach dem Ertrag, den sie ihm abwirft. So verschieden, wie die Farbe ihrer Haut, so verschieden und so fremd sind sich die Interessen, die Impulse, die Sympathien jener beiden, scharf getrennten Kulturelemente in Texas; nimmermehr werden schwarze und weiße Arbeit neben einander auf demselben Boden gedeihen. Deshalb hat sich die fremde Ansiedelung, namentlich der deutsche Bauer und Farmer, vor der eindringenden Kolonisation der Sklavenhalter nach demjenigen Theil des Landes zurückgezogen, wo die große Plantagenwirthschaft weniger bekannt ist, als auf dem üppigen Prärie- und Alluvialboden des Südens, nämlich nach dem höher gelegenen und vorzüglich für Getreidebau geeigneten Tafelland des Nordwestens. Gegenwärtig bildet die freie Arbeiterbevölkerung dort eine mächtige geschlossene Partei, welche sich schon mehrmals im Kampf mit dem sklavenhaltenden Süden versucht hat, und da sich ihre Grenzen nach den natürlichen Bedingungen des Bodens so scharf abzeichnen, wie ihre politischen Grundsätze, so wird über kurz oder lang eine Trennung des freien Texas vom Sklavenstaat eine Folge dieses Kampfes werden. Gegenwärtig beträgt die gesammte weiße Bevölkerung von Texas wenig über 300,000, es kömmt also nicht einmal ein Freier auf die englische Quadratmeile. Die Zahl der Sklaven ist größer, hat aber noch keine Rubrik und keinen Census. Unter der nicht anglo-amerikanischen Einwanderung nehmen die Deutschen die bei Weitem größere Ziffer ein; von mexikanischem oder spanischem Blut ist kaum eine Spur mehr zu erkennen und die Indianerstämme, welche bis nach der Nordgrenze zurückgedrängt sind, werden vor der vorschreitenden Kultur und einer energischeren Machtentfaltung des Gouvernements wohl bald ganz aus ihrem angestammten Gebiet weichen müssen.
Unter den wenigen Städten, in denen die so spärliche Bevölkerung sich etwas dichter zusammendrängt, ist Galveston, die Seepforte des Landes, die bedeutendste. Sie liegt, wie Venedig, auf einer Insel in der Bai,
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 110. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/118&oldid=- (Version vom 14.11.2025)