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doch, wie Wenige wagen es in dieser von der Selbstsucht umstrickten Zeit, das Scheußliche abscheulich zu finden und die Verworfenheit mit Mißbilligung und Verachtung zu strafen! Theilnahmlos und ungerührt gaffen Millionen die Büberei an, und wenn diese die Maske abwirft und es nicht einmal mehr der Mühe werth hält, über ihre schwarzen Thaten einen Schleier zu decken, so rufen andere Millionen, denen die Größe der Schamlosigkeit eben so sehr imponirt, als die Größe der verbrecherischen That, ihr Bravo! Elende Zeit und elende Menschen, denen der Instinkt sogar für die Tugend, denen das Gefühl sogar für Gerechtigkeit, Ehre, Menschenwürde, Selbstbestimmung und Freiheit verloren gegangen ist! Dienend der niedrigsten Selbstsucht, ist gegen dieses bleiche, grinzende Lakayengeschlecht der Negersklave noch ein Held; denn, wie ein Anderer gesagt hat: „der ist doch nur Sklave der Kette und der Peitsche, wir aber sind die Sklaven unseres schlechten Herzens, unseres verderbten Verstandes und unserer Feigheit“.

Ich sage es frei heraus: Die Sünden der Gesellschaft erfüllen die gesittete Erde und die großen Verbrechen, im Schooße der Völker begangen, hauchen Gestank aus allen Winkeln. In den Miasmen werden nie dagewesene Pestilenzen ausgebrütet. In keiner Nation mehr ist noch ein Wille vorhanden, der allgemeinen Corruption Grenzen zu setzen; keine auch will auf sich nehmen die Schuld, welche auf dem Ganzen lastet. Faul ist das ganze Wesen der Gesellschaft. Niemand bekümmert sich darum, wenn Mord und Raub vor den Thüren liegen, was aus den Bewohnern des Hauses werde; Jeder lebt leichtfertig in den Tag hinein für die nächste Stunde, und als hätten sie nur diese eine noch zu leben, so genießen sie Viele, dem armen Sünder gleich, welcher im Rausche der Henkersmahlzeit dem Gedanken an den Galgen zu entrinnen sucht. Man blicke nur auf die Tagesgeschichte und ihr ekelhaftes Gebahren! Dieses nichtsnutzige Geschlecht, welches sich brüstet, die Nächstenliebe durch die Selbstliebe erstickt zu haben, hat es schon gelernt, die Ordnung in der Unordnung, das Recht im Unrecht, den Frieden im permanenten Kriegszustande, die Treue in der Treulosigkeit, die Ehre in der Niedertracht, die Wahrheit in der Lüge anzuerkennen. Läßt es sich ja jetzt sogar herbei, eine kurze Suspension des Stärkerrechts als ewigen Gottesfrieden zu preisen, obschon es gewiß ist, daß, sobald die vom Streit Ermatteten ausgeschnauft haben, der Rachen der Mächtigeren sich wieder aufsperren werde gegen die Schwächeren, und obschon ein jeder Schulbube aus der Bibel gelernt hat, „daß die Habsucht der Könige niemals müde wird, umzugehen wie ein brüllender Löwe, der da sucht, wen er verschlinge“. Befremden kann dies Gebahren freilich nicht. Ein Wunder wäre es, wenn es anders wäre.

Indeß, so trostlos auch die Gegenwart sich darstelle, so entbehrt die Zukunft der Keime und Bürgschaften der Hoffnung dennoch nicht. Das Zerstörungswerk in der sittlichen Welt mag noch eine Zeit lang dauern, das entfesselte Contagium der Fäulniß mag fortfahren, die Köpfe zu entzünden, die Begriffe von Recht und Unrecht, von Gutem und Bösem zu verwirren und die Bande der Gesellschaft zu lockern und aufzulösen: – aber wie jeder Ursache in der