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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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hat aber auch sonst nicht das Geringste mit der Königin von Adria gemein. Sie ist zur Zeit noch nichts Besseres, als ein weitläufiges, von ungepflasterten Straßen rechtwinkelig durchkreuztes Baracken- und Budenlager, um den nächsten und dringendsten Bedürfnissen des fremden Handels und der Schifffahrt sowie des Verkehrs mit dem Binnenlande zu genügen; ihre Architektur gehört dem „Scheunenstyl“ an, der nächst-höheren Stufe über dem Blockhausstyl. An Besseres zu denken, dazu findet sich bei der Hast und Geschäftigkeit, mit der die Bewohner die nothdürftigste Ausstattung ihrer städtischen Wirthschaft zusammentragen, keine Zeit. Ungefähr 4000 fest angesiedelte Einwohner leben zur Zeit in Galveston und daneben, namentlich in der Saison der Verschiffungen und der Einwandererzüge, wogt ein buntes Gemenge aller Raçen und Nationalitäten, wie wir sie in allen Seestädten Amerika’s antreffen. Galveston spedirt zwei Drittel der ganzen texanischen Ausfuhr, darunter über 100,000 Ballen Baumwolle, welche ihm größtentheils durch die in die Bai mündenden Flüsse zugeführt werden. Mit New-Orleans und den Hauptplätzen der atlantischen Küste unterhält Galveston regelmäßige Dampf- und Packetboot-Verbindungen. So blühend und rührig auch der Verkehr für den kleinen Ort jetzt schon erscheint, so ist er doch nur ein schwacher Schatten, den er seiner künftigen Entwickelung voraus wirft, wenn wir bedenken, daß das Land, welches hinter ihm liegt, bestimmt ist, die hundertfache Bevölkerung aufzunehmen und einst seine Zuckerplantagen wohl allein mehr produciren werden, als die des übrigen Kontinents zusammen gerechnet.
Es war eine Zeit, da wogte ein Volk im Festgewand aus und ein durch die Portiken der Propyläen, da füllte sich das Forum mit den Versammlungen der Bürger, um unter den Denkmalen ihrer großen Zeit und den Bildsäulen ihrer großen Männer Fragen des öffentlichen Wohls zu berathen, da drängten sich Hunderttausende nach den Theatern, um sich an den Tragödien des Aeschylos zu begeistern, oder auch am blutigen Gladiatorenspiel ihre Lust zu kühlen, da feierte alljährlich die Nation in den Hallen des Pantheon das Andenken ihrer großen Todten, da warteten der heimkehrenden Sieger Ruhmes- und Ehrenpforten, und Jung und Alt strömten jubelnd ihnen entgegen, um die Bekränzten nach den Altären ihrer Penaten heim zu geleiten. Das war die Zeit großer Thaten, großer
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 113. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/121&oldid=- (Version vom 14.11.2025)