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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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Kirchenbauten, die keinen Funken von religiösem Sinn verrathen, Häuser für Schauspiel, welches das Volk nicht versteht, Monumente, an denen Jedermann theilnahmlos vorübergeht, Museen, welche der Menge nichts weiter sind als Kuriositätenkästen, und Triumphbogen zur Verherrlichung von Thaten feiler, livrirter Knechte, die auf’s Geheiß ihrer Herren würgen, Apotheosen des Fluchs der Menschheit, Denkmale menschlicher Schmach und menschlichen Elends: denn unsere Zeit hat längst den Stab der Verdammung über das Heldenthum des Schwertes gebrochen und vor dem Richterstuhl der Humanität und des Christenthums erblaßt der Kriegsruhm unter der Anklage des Mords. Denkmäler errichtet man den entflohenen Götzen der alten Zeit, aber das einzig wahre und berechtigte Kunstwerk, das einen Geist wiederspiegelt, der seinen Schöpfer beseelt, das eine Idee ausspricht, die in seiner Zeit pulsirt, das an das Herz der Menschen faßt und Erhebung und Begeisterung für seine Ideale ihm einflößt, – ein solches Kunstwerk kann die Zeit nicht schaffen; was uns die Gegenwart als solches bietet, ist eitel Lüge.
Wir wollen nicht wiedersagen, was wir bei dem Anschauen des Münchener Siegesthors gedacht haben. Vom König Ludwig ward es dem Waffenruhme der bayerischen Heere, im Styl der römischen Triumphbogen, aus gelblichem Sandstein errichtet. Es erinnert ein wenig in seiner Anordnung an den Bogen des Konstantin, nur gebricht es ihm an Harmonie der Verhältnisse, und der Eindruck, den es macht, ist nichts weniger als groß. Vier Pilaster und entsprechende vortretende Säulen korinthischer Ordnung theilen die zwei kleinern Portale von dem mittleren 70 Fuß hohen Bogen. Marmorfriese mit allgemeinen Sinnbildern kriegerischer Tapferkeit dekoriren die Façaden und Seiten der kleineren Bogen und vier geflügelte Viktorien schauen von den hohen Sockeln über den Säulenkapitälern herab. An der Attike sind sechs Medaillons eingelassen: – die allegorischen Figuren der acht Kreise Bayerns. Der Entwurf des Siegesthors ist von Fr. von Gärtner, nach dessen Tode Ed. Metzger den Bau vollendete (1850). Die schönen Skulpturen sind nach Modellen von Martin Wagener in Rom in münchener Bildhauerwerkstätten ausgeführt. Auf der Plattform steht eine kolossale Bavaria im Siegeswagen von vier Löwen gezogen: – ein trefflicher Erzguß vom berühmten Ferd. Miller.
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 115. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/123&oldid=- (Version vom 14.11.2025)