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physischen Welt die Grenze ihrer Wirkung gesteckt ist, so werden auch die sittlichen Zerstörungselemente die Grenze finden, jenseits welcher ihre Verwüstungsgewalt aufhört. Jede Thorheit heilt sich selber durch ihre Folgen, und unter den Thorheiten, den Verbrechen und dem Verfall unserer Zeit kommt, wenn auch für die Menge noch unsichtbar, die Metamorphose der Verjüngung langsam zur Reife. Aus dem Dunkel der Gegenwart zieht ein lichter Schimmer der Hoffnung in die Geister ein. Ich sehe schon den fernen Tag sich röthen, wo zündende Gedanken durch die Völker fahren und wo die Menschen, müde ihrer Verworfenheit und Verkommenheit, eines Sinnes werden, sich aufzuraffen, um die ihnen innewohnende plastische und erhaltende Lebenskraft wieder zur vollen Geltung zu bringen. Erst muß freilich das alte Haus verschwinden, ehe ein neues gebaut werden kann auf seinem Platze; auch die alte Gesellschaft muß alle Stufenjahre ihres Lebens durchlaufen und sich aufgelöst haben, ehe aus ihren Elementen eine neue zu construiren ist. Daß der Verwesung und Verwandlung nur ein ruhiger Verlauf gelassen werde! Aber die große Gefahr ist, daß man sie störe und irre in plumper Weise; daß man dadurch den Krieg aller Leidenschaften entzünde; daß man die wilden Triebe zu Gewaltthat und allgemeinem Umsturz erwecke, daß die Banden sich plötzlich lösen und daß dann der Ruf zum Schwerte – ein Ruf Aller gegen Alle – durch Europa gehe. Die Bedeutung einer solchen Katastrophe ist so furchtbar, so ernsten, tiefen Inhalts, daß gewiß nur Verzweifelte oder Verrückte sie herbeiwünschen können. Einer gewaltsamen gesellschaftlichen Umwälzung in dieser Zeit würden alle Elemente der Gesittung im Wege und zuwider seyn. Religion, Moral, Wissenschaft, Kunst, Geist, Erfahrung, die Wunder der Industrie wären ihr ein Greuel, Zerstörung wäre ihr gemeinsames Loos, in den Paroxismen des Wahnsinns würden die losgebundenen Völker die ganze Leiter menschlichen Frevels durchlaufen und sie würden nicht eher zur Ruhe kommen, als bis sie, nachdem sie alles Bestehende umgestürzt, alles Feste zerschmettert, alles Hohe geschleift, alles Edle erwürgt, allen Besitz gewechselt hätten, in ihrer eigenen Unfähigkeit, in ihrer Hülflosigkeit, in ihrer Erschöpfung und in ihrem Elend für ihre Raserei die Grenze finden würden.

Es herrscht Analogie in dem Verlauf der Revolutionen der sittlichen und der physischen Welt. Wenn die Natur in ihrer organischen Entwickelung nicht gestört wird, macht sie keine Sprünge; aus einer Phase des Lebens in die andere ist der Uebergang still und ruhig; wenn aber die Elemente ihres Wirkens sich einander hindernd oder feindlich entgegentreten, dann macht sich nothwendig der Gegensatz der langsamen, stetigen Entwickelung geltend, Widersprüche werden in ihrem innersten Leben aufgeregt, die Kräfte accumuliren sich, steigern sich zur höchsten Gewalt und zum Despotismus, und, ganz wie in der sittlichen Welt, durchlaufen sie nun eine Stufenfolge von Freveln wider einander, bis der Umlauf derselben vollendet, die Kraft in ihrer Wirkung erschöpft ist und die Extreme sich wieder ausgeglichen haben. Entsetzliche Katastrophen gehen diesem Streiten der erregten Elementarkräfte im Gefolge. Orkane fegen die Wälder von den Häuptern der Gebirge, begraben die Flotten in den Meergrund