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Kein Zweifel ist es, daß das Kriegs-Drama, welches in dem orientalischen Streit seinen ersten Akt eben beschlossen hat, den Austrag der gesellschaftlichen Frage für Europa viel näher herbei geführt hat, als sich Viele träumen lasten. Der Welttheil ist nach zwei Richtungen prinzipiell geschieden und durch die neue Gruppirung der Staaten, welche auf den Pariser Frieden folgt, wird dies recht deutlich werden. Dieselben Gährungsstoffe, welche zur Reformationszeit die eine der beiden christlichen Hauptkirchen in zwei Reiche, in ein mitternächtliches und ein mittägliches, ein protestantisches und katholisches, gespalten haben, dieselben Gährungsstoffe, welche im Glaubensterritorium zur Trennung führten, sie haben auch auf dem politischen und socialen Gebiete eine Krisis vorbereitet. Die Bewegung der treibenden und schwingenden Kräfte wird mit jedem Tage intensiver, die Pulse schlagen schneller, voller, gespannter. Der neue, fließende Besitz hat den alten, festen wandelbar gemacht; der persönliche Reichthum hat über den ererbten das Uebergewicht erhalten, die Aristokratie des Geldes herrscht über die Aristokratie der Geburt, der Ackerbau hat seine Natur verändert und ist mehr Gegenstand der Spekulation und der Fabrikation geworden, der alte Handel hat im neuen Weltsinn die Stütze gefunden, deren er, gegenüber der riesenhaft entwickelten Industrie, nicht mehr entbehren konnte. Selbst die Waffenehre gehört dem Adel nicht mehr allein; denn die allgemeine Wehrhaftigkeit hat dem Bauernstand und Bürgerthum ein Selbstgefühl gegeben, welches die Dressur zum willenlosen Gehorsam nie ganz unterdrücken kann, und das sich in den Krisen großer Revolutionen stets als das entscheidende Element bewähren wird. Und wie sieht es aus mit der alten Volkspoesie, die so lebendig durch die Jahrhunderte ging? Sie ist verstummt, der Sänger Mund feiert die Ehre der Dynastien und Geschlechter selten mehr; und wenn er’s einmal thut, so ist’s bezahlte Arbeit: denn die Fäden sind zerrissen, im Gedächtniß des Volks ist ihre Geschichte ausgelöscht, es begreift nicht mehr, worauf das Fürstenthum, seine Ansprüche auf Macht und Herrlichkeit gründen mag anders, als auf den faktischen Besitz der Gewalt und die Mittel, letztere zu behaupten. Das Volk von heute ist überall ein anderes als das Volk von ehedem und das Benehmen der Gewalt, den Ansprüchen und Bedürfnissen einer gänzlich veränderten neuen Zeit zagend, störend und hindernd entgegenzutreten, ist nicht dazu angethan, den schon fest gewurzelten Volkshaß gegen das Historische zu besänftigen und zu mindern. Das Gefühl des Unzureichenden in den alten, gelockerten Verhältnissen, des Widersinnigen in den Bestrebungen, diese Verhältnisse zu restauriren und zu befestigen, ist ein allgemeines, und durch die plumpe Flickarbeit der Rückschrittsparteien wird ihr gänzlicher Einsturz nur beschleunigt. Die Wiedereinführung einer doppelten Aristokratie in Kirche und Staat, die als Panacee gegen die inneren Gährungselemente, deren gewaltige Bewegung man so allgemein und so ängstlich fürchtet, da und dort versucht wird, kann unmöglich zur Befestigung und Stärkung der königlichen Macht dienen; die Geschichte hat vielmehr von ihren Wirkungen nur Zeugnisse im entgegensetzten Sinne gegeben. Die erstrebte Dreieinigkeit der Gewalten, Königthum, Adel und Kirche, ist noch allemal in Uneinigkeit ausgegangen, und sie hat zum Oeftern schon den Untergang herbeigeführt, indem sie die Revolution hervorrief. Wenn das Königthum