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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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den Beistand der Kirche und des Adels für große Opfer erkauft, so wird es doch immer nur so lange auf dieselben rechnen dürfen, als beide, Adel und Kirche, des Königthums noch bedürfen, um ihre Machtstellung zu befestigen. – Wer hat die alte Herrlichkeit des deutschen Kaiserthums zertreten? Durch wen gerieth es in jenen Zustand tiefster Erniedrigung und Ohnmacht, in dem es, zum Unglück des Vaterlandes, bis zum Tage seiner Auflösung verharrte? Hat die Autorität es schon vergessen, daß es thöricht ist, in dieser Zeit, wo alle Schwerpunkte der Gesellschaft sich verrücken, sich selbst die Hebelarme zu verkürzen und zu schwächen, deren äußerste Stärke kaum hinreichen wird, das gestörte Gleichgewicht auf einige Zeit wieder herzustellen? Soll das Bibelwort: wen der Herr verderben will, den schlägt er mit Blindheit, immer vergeblich predigen? – –
Eine Donaufahrt von Wien nach Galatz war noch vor 50 Jahren ein bedeutendes und gar beschwerliches Unternehmen, welches 5 bis 6 Wochen Zeit kostete und nicht ohne Gefahr zu bestehen war; der Zauberer Dampf hat’s zu einem komfortabeln Ausfluge von ein paar Tagen gemacht. Selbst das „eiserne Thor“ an der türkischen Grenze hat seine Schrecknisse verloren, seitdem Oesterreichs Ingenieure die Felsen gesprengt haben, welche den engen Kanal gefährlich machten, den sich der Strom durch das Gebirge sägen mußte, ehe er zur bulgarischen Ebene gelangen konnte. Auch die 23 Wasserwirbel bei dem Orte Sip, so gefürchtet in früheren Zeiten und wo so viele Fahrzeuge ihren Untergang, so viele Menschen ihren Tod fanden, sind durch Sprengungen und Ausfüllungen unschädlich geworden, und der Reisende vernimmt sorglos aus dem Munde der Schiffer die Sagen von den Geisterschaaren der Verunglückten, welche um Mitternacht bei Vollmondlicht auf den glitzernden Wogen tanzen. In einem schiffbaren Kanal, den die Römer, zur Umfahrung dieses Punktes, einst gegraben hatten, weiden jetzt Heerden unter dem Schatten prächtiger Bäume. Cladova ist die erste Stadt auf türkischem Gebiete. Malerisch schmiegt sich der kleine Ort an den Strom, umgeben und kaum geschützt von verfallenen Wällen und einem alten Römerkastell auf der nächsten Höhe. Trachten, Sitten und Gebräuche des Lebens, die Bauart der Häuser und die Physiognomien der Menschen tragen den orientalischen Typus und lassen erkennen, daß man die Völkerscheide des Abend- und Morgenlandes betreten hat. Die Natur selbst nimmt Theil an dieser Verwandlung. Die Donau ist aus dem Gebirgslande in die große walachisch-bulgarische Ebene getreten, in ein weites, fruchtbares, einförmiges Land, mit unabsehlichen Getreidefeldern, – der Kornkammer zweier Welttheile. Rebengelände erheben sich da und dort auf der bulgarischen Seite, bald erblickt man den letzten Thurm vom alten Severinum und ein paar Pfeiler der Brücke, welche Kaiser Trajan über den Strom erbauen, Hadrian aber aus Furcht vor den Einfällen der Barbaren bald wieder zerstören ließ. Ein herrliches Werk war es mit seinen 20 Granitbogen, welche den Strom in einer Breite von mehr als 2000 Fuß überspannten. Hinter Cladova, eine Stunde weiter abwärts, wird das bulgarische
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 125. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/133&oldid=- (Version vom 15.11.2025)