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DCCLXXIX. Marathon.




An der Ostküste Attika’s, von Athen und Euböa 5 Meilen entfernt, auf einer von Bergen eingeschlossenen, etwa 3 Geviertmeilen großen Ebene, welche ein Flüßchen in mäandrischen Windungen durchrieselt, steht ein Dörfchen, von Hirten bewohnt. Marathon ist sein Name. Auf dieser Ebene wurde von Miltiades mit seinen Atheniensern die Heldenschlacht gegen das zehnfach größere Heer der Perser geschlagen und jener unsterbliche Sieg erfochten, welcher als die erste in der Reihe von Großthaten glänzte, welche die Geschichte Griechenlands verherrlicht haben.

Es war im Jahr 490 vor unserer Zeitrechnung, als Darius Hydaspes, der große König des Perserreichs, zur Unterjochung Griechenlands entschlossen, seine Heere über den Bosporus sandte. Der Schrecken ging dem unermeßlichen Zuge voran. Thracien und Macedonien unterwarfen sich ohne Widerstand; die meisten griechischen Städte – freie Gemeinwesen – sandten ihre Boten den Feldherren entgegen und gelobten Unterwerfung; Sparta zauderte; Athen aber, das mächtige, mit ihm das kleine heldenmüthige Platäa, wiesen stolz jeden Gedanken an Unterwerfung zurück. In allgemeiner Volksversammlung gedachten die Athenienser, „daß zu sterben aller Menschen Loos, groß zu handeln aber der Auserwählten Vorzug sey“, – und ihre Männer und Jünglinge, zu siegen oder zu sterben bereit, unter 10 selbstgewählten Führern, Miltiades der erste unter diesen, zogen den persischen Heermassen entgegen, die sie auf der Ebene von Marathon erwarteten. 12,000 Griechen fochten hier gegen 120,000 Perser, ungerechnet ihren zahllosen Troß. Im Rennlauf stürzten sich die Griechen auf den Feind, Mann gegen Mann kämpfend durchbrachen sie seine enggeschlossenen Glieder und ihr kurzes breites Schwert würgte so fürchterlich, daß endlich Schrecken und Entsetzen die Perser erfaßte. Niemals wurde mit höherer Begeisterung gefochten, niemals ein glorreicherer Ausgang erkämpft und niemals knüpften sich so unermeßliche Folgen an einen Sieg. Hätten die Perser bei Marathon gesiegt, so wäre die Blüthe der griechischen Kultur in ihrem ersten Entfalten zerknickt worden. „Alsdann hätte kein Phidias und kein Praxiteles den Marmor beseelt, kein Pindar hätte durch hohe Gesänge entzückt, kein Euripides süße Thränen entlockt, kein Herodot, kein Xenophon hätte große Thaten verkündet, kein Plato, kein Aristoteles hätte Schätze der Weisheit gegraben, kein Sokrates und kein Epaminondas hätte durch hohe Tugend geglänzt. Die schönsten Vorbilder freier Verfassungen wären, bevor sie Früchte getragen, von der Erde verschwunden,