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und der wilde Römer, wäre er aufgekommen gegen der Perser Macht, hätte keine Sänftigung durch griechische Weisheit und Gesittung erhalten; – er hätte dann wohl die Erde erobern können, nicht aber sie civilisiren, und die neue Kultur, die Tochter der Alten, wäre nicht entstanden“. So viel lag daran, daß bei Marathon die Freiheit siegte.


Seit dem marathonschen Siegestage ist Fluth und Ebbe dreimal verheerend durch Hellas Zeit gegangen. Wird sie zum vierten Male heran und herniedersteigen? Wird Hellas mit den Türken in Byzanz die Rolle wechseln? wird der Anlauf der Begebenheiten jenen Geist noch einmal erwecken, der so groß und herrlich sich vor einem Vierteljahrhundert geoffenbart hat, auf daß er im Sturmschritt die alte Pforte niederwerfe, deren Grundfesten schon so lange unterwühlt sind? Eilig schreiten die Schicksale dieser Zeit; aber Pythia bleibt stumm auf ihrem Dreifuß sitzen. Die Diplomatie hat Christus und Mohammed zu Milchbrüdern gemacht, und bevor die Ernte der ausgesäeten Todsünde reif geworden, kann das Kreuz auf der Stirn der hellenischen Jugend und in den Fahnen seiner Heerschaaren seine rechte Bedeutung nicht gewinnen. –

Drei verhängnißvolle Städte gibt es – dem „Fragmentisten“ das Wort entlehnend, – drei Weltringe, an die sich die Schicksalsfäden des menschlichen Geschlechtes hängen: Jerusalem, Rom und Konstantinopel. Das eine ist die Wiege, das andere der Herrschersitz, das dritte der Gegensatz des universellen, weltbeseligenden Christenthums. So lange das geschichtliche Menschengeschlecht die Erde bewohnt, ist und bleibt es unauflösbar dem magischen Schimmer der drei ewigen Städte unterthan. Biographie der Menschheit ist das Christenthum; denn jene hat keine höhere Aufgabe als Lebendigmachung, Inkarnirung des himmlischen Geschenkes in dem Wechselspiel irdischer Verhältnisse. – Alle Geschichte seit bald achtzehn Aeonen ist nur Resultat des Kampfes der beiden Grundelemente, in welche das Christenthum von Anbeginn aus einander ging: beweglicher Lebensprozeß auf der einen Seite und formlos unausgegohrenes Insichverharren auf der andern. Sinnbild des ersten ist die ewige Roma mit dem ganzen dahinter liegenden Occident, Sinnbild des andern Konstantinopel mit dem erstarrten Morgenland. Alle Kraft, alles Leben im Reiche der Geister wie in der Natur, hat von Anbeginn, wie die Weltweisen sagen, einen erblichen, durch nichts auszugleichenden Widerpart. Und folglich ist es ein Gesetz ewiger und höherer Nothwendigkeit, was die beiden Hauptquartiere des ringenden Menschengeschlechts in Auffassung der christlichen Idee nicht weniger als der politischen und philosophischen Doktrinen auseinander hält. Auf beiden Seiten gehen die kleineren Kreise allmählig im großen Ringe unter, und alle Zerwürfnisse, alles Mühsal in Europa erscheint als Corollar dieser elementarischen Entzweiung der einen Kraft. Wir müssen einen ureinsässigen, jetzt noch lebendigen, mit der Urbs aeterna gleich unsterblichen, unaustilgbaren Reichsgenius von Byzanz als zweites Element der christlichen Welt anerkennen. „Wie?“ –