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die kaiserliche Hand das Kreuz und, wie man auf allen Tempelfresken und Münzen jener Länder häufig jetzt noch sieht, schmückte das Zeichen der Erlösung alle Gewänder, Fahnen und Insignien des theologischen Herrschers, der den kaiserlichen Segen ertheilte und nach festem Glauben seiner Unterthanen sogar die Kraft der Mirakel besaß. Seine Handlungen erklärte das Gesetz für Akte der göttlichen Vorsehung und stellte sie folglich außer Bereich menschlicher Kritik. Daher das für abendländische Begriffe entsetzliche Gesetz, welches Tadel eines vom Fürsten bestellten Dieners, ja sogar den Zweifel an seiner Fähigkeit als Hochverrath und Beleidigung göttlicher Majestät bestrafte. Daher das Ungegohrene, das Melancholisch-Stille der byzantinischen Monarchie; daher die Palastwache der Silentiarier und der erklärte Widerwille griechischer Ohren gegen Glockenton. Das regsame Wesen, die laute Rede und der feste Tritt des Abendländers hat für die Byzantiner etwas Widerliches, gleichsam etwas Zuchtloses und empörend Freches, das man mit der Geißel niederschlagen soll. Denn zu Konstantinopel sind alle Kontroversen schon längst entschieden, alle socialen und geistigen Probleme aufgelöst, der Zweifel selbst verstummt. In den nervenschwachen Regierungskreisen Westeuropa’s mag dies wohl da und dort als ein Segen erscheinen, und man darf sich nicht mehr wundern, wenn konservative, ruheliebende, verzagte Seelen, gegenüber dem Hochmuth und der Unbändigkeit des wissenschaftlichen Gedankens, die stupide Selbstverleugnung der byzantinischen Kirchen-Philosophie als einen heilsamen Damm gegen den stolzen und umwälzenden Sinn in der abendlichen Welt erblicken, und alles Ernstes sich gegenwärtig bestreben, Westeuropa mit byzantinischen Grundsätzen und Formen in Staat und Kirche zu beglücken, und das Schweigen der Gräber an die Stelle des rührigen Lebens zu setzen.

Der erste Lebensakt des byzantinischen Kirchenstaates, wir wissen es Alle, spann sich in buntem Gewühle über tausend Jahre fort, und der Uebergang zum zweiten, wo ein Padischah den Reigen führte, war so schnell, so natürlich und geordnet, Kraft und Kunst der neuen Tragöden so eindringlich, nachhaltend und feurig, daß nach kurzem Gram über die Veränderung selbst bei den Besiegten die Threnodie verstummte. In drei Tagen war die Verwandlung ausgeführt und Byzanz, nicht dem Blute, wohl aber der Seele und Gesinnung, nach, vollkommen türkisch. Das allgemeine Gefühl, dem lateinischen Abendland gegenüber wieder stark zu seyn, hatte Alles ausgesöhnt und das Joch des neuen Autokraten selbst leicht gemacht. Man vergesse es nie: – Eifersucht, Widerwille und Geringschätzung gegen die lateinisch glaubenden (katholischen) Völker ist Nationalcharakter und unaustilgbare Natur der Byzantiner. Auch hat nach Eintritt der türkischen Dynastie das lateinische Abendland bald und lange genug empfunden, daß man in Konstantinopel wieder Kraft und Nerven habe: es erschien wieder eine lange kriegerisch geschaarte Fronte am Ostrande von Europa und dem Naturgesetze war genug gethan.

Am Siechenlager der Paläologen hatte das transdanubische und das altaische Element um die Ehre der Nachfolge und der Reichsreform gestritten. Obgleich das eine aus Turkestan, das andere aus Sarmatien mit