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Gewalt hereingebrochen, waren sie doch beide auf byzantinischem Boden eingebürgert und in Sinn und Blut mit Ost-Rom enge verschwägert. Damals war die Zeit der Sarmaten noch nicht gekommen, und wie allzeit, neigten sich Sieg und Herrschaft auf die Seite, wo mehr Kraft, wo mehr Geist und Herrschergröße war. Jedoch blieb die byzantinische Restauration des 15. Jahrhunderts ihrem Wesen nach eine innere, eine aus den Eingeweiden der Monarchie selbst eigenmächtig und ohne Zuthun von Außen entsprungene, daher vollständig dauerhaft und durchgreifend. Das Credo allein hatte sich am kaiserlichen Hofe geändert; aber nicht mehr als die byzantinischen Autokraten schon verschiedene Male früher, namentlich unter Konstantius im vierten und während der Ikonoklasten-Herrschaft im achten und neunten Jahrhundert unternommen hatten, aber nicht durchzuführen vermochten.

Offenbar waren, um die menschlichen Dinge im Gleichgewicht zu erhalten, in der Hand der Vorsehung die talentvollen und energischen Fürsten aus dem Hause Osmans tauglichere Werkzeuge als die christlichen Vorgänger mit ihren Hof-Homilien und ihren kaiserlichen Fastenpredigten im Kreise weibischer Magnaten von Byzanz.

Aber heute, wie man gemeiniglich glaubt, ist auch die Rolle der Padischahe ausgespielt und wird, eigentlich das erste Mal seit fünfzehnhundert Jahren, vielleicht in kurzer Zeit, die große Erbschaft der Byzantinerwelt ohne Testament und ohne Kodicil vakant. Zwar ist noch der Besitzer nicht verblichen und im Veilchenduft bithynischer Lüfte sind die Agonien lang. Aber das Leben ist aus den extremen Theilen des Riesenkörpers schon entflohen, im Herzpunkt allein noch kämpft es krampfhaft in Fieberhitze gegen die Verwesung.

Wie nah oder fern die Katastrophe auch immer sey, die drastischen Arzneien, die man in gerechter Besorgniß nachbarlich anzurathen und selbst eigenhändig zu kredenzen nicht ermüdet, beweisen hinlänglich, daß man den Zustand für sehr bedenklich hält. Wo ist aber der Sitz des türkischen Verderbens? Ist dieses Volk heute physisch schwächer, feiger, nervenloser als zur Zeit seiner Siege und seiner Herrlichkeit? Der letzte Krieg hat es doch bewiesen, daß die türkische Kriegsmaterie heute noch ist, was sie zur Zeit der großen Padischahe war, fanatisch, abgehärtet, genügsam, stahlsehnig und der größten Anstrengung fähig. Und sieht man das türkische Bauernvolk in den Provinzen und selbst die stolz und wild blickenden Gesichter des großen Haufens in der Sultansstadt, sollte man das Ende des Türkenstaats wahrlich nicht so nahe glauben. Denn über Seyn und Nichtseyn der Reiche entscheidet in letzter Instanz doch immer Seelenstärke und physische Kraft auf dem Kampfplatze. Selbst die Summe des Luxus und des sittlichen Verderbens unter den Großen kann jetzt nicht größer seyn als früher. Allein, wie bei den christlichen Byzantinern, ist auch bei den osmanischen das herrschende Haus, die regierende Dynastie verfault. Hier liegt das Uebel. Eine solche Reihe genialer Staatsmänner und energischer Kriegsfürsten hat kein anderes Herrscherhaus je hervorgebracht, wie das türkische. Nicht Tugenden, nicht besondere Vorzüge und Eigenschaften des Volkes haben das furchtbare Gebäude osmanischer Größe aufgeführt; es ist ausschließlich das Werk seiner, die Menschen und Dinge in wildem