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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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der Symplegaden verstumme, damit der sehnsuchterregende, die Völker des Orients bethörende Sirenengesang des fluthenden Sundes ersterbe und der stolze, Länder verbindende Pontus selbst wie das traurige Kaspimeer zur Oede eines verlassenen Binnensees heruntersinke! Dann erst rinnet der Lebenssaft wieder zurück, nach Athen und nach Ikonium.
Wären Titanen auf der Welt, hätte man ohne Bedenken zu diesem Mittel gegriffen. Aber die Menschen unserer Tage sind nach kürzerem Maße ausgeprägt: sie möchten das Unheil ohne Aufsehen und besonders ohne Störung im Alltagsleben ihrer Ameisenstadt gleichsam im Stillen zur Ruhe bringen. Wozu der Tumult und die schweren Reden ? rufen sie aus. Noch ist es mit den Türken nicht zu Ende, und so lange die Leute athmen, kann man immer hoffen und versuchen. Könnte man in Europa überall der Ländergier, dem Heißhunger nach fremdem Gute entsagen und den Leidenschaften der menschlichen Natur selbst Stillstand gebieten, so schleppte sich das Türkenreich ohne Mühe noch Jahrhunderte fort. Im Innern ist ja kein überwiegendes Element der Auflösung, der christliche Raya ist überall muthlos, waffenscheu, uneins und Rettung aus der Dienstbarkeit nirgend aus sich selbst, nur von Außen, aus fremder Zone hoffend.
Daß man unter solchen Umständen die treulosen Restaurationsrecepte des Occidents zu Konstantinopel nur mit Widerwillen und Geringschätzung empfängt, ist zu begreifen. Auch wird die europäische Kuratel, welche durch ihren neuesten Akt, den pariser Traktat, die Aufnahme des Türkenstaats in das europäische Konzert, als den Silberblick ihrer vereinten Weisheit, der Welt verkündigt, zeitig genug das Vergebliche ihrer Mühen erkennen. Diese vortrefflichen Männer sind überzeugt, man könne todte Ideen, erloschene Gluthen, entflohene Geister der Nationen durch eine Staatsschreiber-Ordonnanz wieder lebendig machen. Aber nicht Kunst, nicht mit exotischem Saft getränkte Pflanzen, nein, ein aus der Bodentiefe urkräftig heraufbrechender Riesenstamm ist nöthig, um die byzantinischen Räume auszufüllen. Die kleine Parzelle, welche, dem Scepter des Padischah entzogen, mit dem alten Namen „Griechenland“ angethan, kann wohl auch nicht, – Zeiten und Menschen zum Trotz – nach kühnem Zertreten aller Schranken nervig, sehnig, schöpferisch die Oede, die verlassenen Paläste am Propontis füllen. Oder wäre dies bayerischblaue Hellas wirklich so gewaltig, das chaotische Stammgewirre des illyrischen Kontinents zu ordnen, die widerspenstigen Geister zu bändigen, die bahnlos tobenden Kräfte zu zügeln und in das gemeinsame Rinnsal politischer Disciplin zusammenzudrängen? Es war eine Zeit, da das Abendland die Frage beifällig beantwortete und die Männer von Hellas noch einmal, wie weiland ihre Vorfahren, als die Schirmgötter der Welt begrüßte. Aber der Rausch ging schnell wieder vorüber. Die aufgeregten Geister sind wieder frostig und nüchtern wie vor Hellas zweitem Hochzeittag. Nur das Eine haben sie nöthig, die griechischen Männer, und dieses Eine ist der Talisman, der alle Herzen bezaubert, der das staatskluge Europa, wenn man es auf der lorbeerbekränzten Stirne
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 136. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/144&oldid=- (Version vom 15.11.2025)